This ist Angie

Flockes Abenteuer

Leseprobe

Erstes Kapitel,
in dem es  einen ordentlichen Bums gibt

„Hey, was war das für ein Krach? Hast du es auch gehört oder träumst du schon wieder?“ 
Ein gehöriger Stups brachte Flocke in die Wirklichkeit zurück. Verwirrt blickte sie auf. Ihre Cousine Lise stand vor ihr und schaute sie streng an. „Du bist eben ein Träumerle,“ stellte Lise fest. Obwohl die beiden Ponys fast gleich alt waren, unterschieden sie sich ganz schön voneinander. Während Lise immer brav auf die älteren Pferde der Herde hörte und alles tat, was diese sagten, hatte Flocke oft eine andere Meinung und war manchmal etwas stur. Oft träumte sie vor sich hin und dachte sich tolle Abenteuer aus. Flocke wollte mit einem Wolkenschiff um die Welt zu segeln. Von oben würde sie schneebedeckte, hohe Berge, blitzblaue Bergseen und lustig vor sich hin plätschernde Flüsse sehen. Auch die Wüste Sahara wollte Flocke einmal besuchen, dort sollte es Tiere geben, die, genau wie ein Pferd, Menschen auf dem Rücken tragen konnten. Jedoch hatten diese Tiere zwei komische Höcker ganz oben auf dem Rücken.Das alles hatte Flocke in dem großen Kasten gesehen, der in Bauer Roberts Stube stand und manchmal bunte Bilder zeigte. Wenn es Abend wurde, schlich sich das kleine Pony nämlich öfter ans Fenster der Stube. Dann saß Bauer Robert in seinem Sessel und schaute sich die bunten Bilder in dem Kasten an. Und Flocke mit ihm, obwohl er das gar nicht merkte.
„Was drückst du dir die Nase an der Scheibe platt? Es gibt doch in der Stube nichts Interessantes zu sehen“, sagte Lise oft, denn sie verstand nicht, dass Flocke aufregende Abenteuer erleben wollte. Dann zuckte Flocke nur mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Sie mochte ihre Cousine wirklich gern, aber Lise war eben ganz anders als sie.
Jetzt hatte Lise sie aus ihren Träumen gerissen. Flocke schüttelte unwillig den Kopf. „Was ist los? Warum stupst du mich so doll an?“
„Hast du den riesenlauten Knall nicht gehört?“ Liese wies mit der Nase in Richtung Ponystall - nur, dass es gar kein Stall mehr gab. Stattdessen lag dort ein großer Haufen kaputter Bretter wirr durcheinander.
Bauer Robert kam über den Hof gestürmt und raufte sich die Haare. „So ein Unglück!“, schrie er. „Gut, dass alle Ponys auf der Weide sind. Es hätte sie glatt erschlagen. So ein Unglück aber auch!“ Er ließ traurig den Kopf hängen. „Was mache ich nur, was mache ich nur“, murmelte er ratlos. „Ich schaffe es niemals allein, den Ponystall wieder aufzubauen. Geld für neue Bretter habe ich auch nicht.“ Er seufzte tief. „Wenn doch nur die Heinzelmännchen hier wären. Sie brauchten gerade mal eine Nacht und wups - stände hier ein nigelnagelneuer Stall. Aber sie sind immer anderswo beschäftigt und haben niemals Zeit.“ Mit diesen Worten schlurfte Bauer Robert traurig zurück ins Haus. 
„Komm, wir gehen schnell zu den Anderen. Vielleicht wissen sie Rat“, forderte Lise ihre Cousine auf.
Flocke trottete hinter ihr her. Sie überlegte: ‚Heinzelmännchen’, hatte Bauer Robert gesagt. Was das wohl für welche waren? Flocke hatte sie jedenfalls noch nie gesehen. Auch nicht in dem großen Kasten mit den bunten Bildern. Wahrscheinlich waren sie tatsächlich immer so beschäftigt, dass man sie nicht zu Gesicht kriegte. Wenn es stimmte, was Bauer Robert gesagt hatte, müsste man diese Heinzelmännchen suchen und sie um Hilfe bitten.


Zweites Kapitel,
In dem Flocke einen Entschluss fasst

Die Ponys der Herde standen nah beieinander und beratschlagten. Jasper, das älteste und klügste Pferd von allen wiegte den Kopf hin und her. „Nun ist unser Stall zusammengebrochen und Bauer Robert kann ihn nicht neu aufbauen. Wir werden also in Zukunft hier auf der Weide schlafen müssen. Jetzt im Sommer mag das angehen aber was sollen wir im kalten Winter machen? Wir werden allesamt elendiglich erfrieren. Mir wird bei dem Gedanken schon ganz kalt. Ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste.“ Wirklich zitterte Jasper ganz jämmerlich. Alle anderen Ponys bebten mit ihm, denn auch sie hatten große Angst im kommenden Winter zu erfrieren.
„Bauer Robert hat doch gesagt, dass die Heinzelmännchen unseren Stall ganz schnell wieder neu aufbauen können. Sozusagen über Nacht und dass sie zu beschäftigt sind, um allein hier her zu kommen. Warum gehen wir nicht einfach zu ihnen und bitten sie um Hilfe“, sprach Flocke ihre Gedanken von vorhin laut aus.
Die Anderen schauten sie verdutzt an. Dann fingen sie an zu lachen. „Du dummes kleines Pony, wie soll das gehen?“ und „Wo sind denn diese komischen Männchen zu finden“, kicherten sie. Jasper schaute streng in die Runde. „Da gibt es nichts zu lachen. Ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Wenigstens hat Flocke einen Vorschlag gemacht. Hat vielleicht jemand eine bessere Idee?“, grollte er und zwinkerte Flocke aufmunternd zu. Die Ponys verstummten und senkten beschämt die Köpfe.
„Ich finde auch, dass es eine gute Idee ist, die Heinzelmännchen zu finden“, meldete sich Lise zu Wort, obwohl sie vorhin mitgekichert hatte. „Aber wer soll sich auf den Weg machen und sie suchen? Ich kann das ganz bestimmt nicht. Schließlich bin ich noch jung und unerfahren. Überhaupt, wer von uns kennt sich schon in der weiten Welt aus.“ Die anderen Ponys murmelten zustimmend, während Flocke ganz aufgeregt von einem Bein auf das andere trippelte. Hier bot sich endlich einmal die Gelegenheit, um Abenteuer zu erleben „Bitte, ich möchte die Heinzelmännchen suchen. Schließlich habe ich auch die Idee gehabt. Bestimmt finde ich sie ganz schnell. Ich überrede sie uns zu helfen. Dann bauen sie uns einen schönen neuen Stall, bevor es kalt wird. Zwar kenne ich mich auch nicht so gut aus in der Welt, aber ich lerne schnell dazu.“
„Ja, Flocke soll gehen“, murmelten die anderen Ponys, denn sie trauten sich allesamt nicht auf die gefährliche Reise.
Jasper seufzte. „Ich bin zu alt, sonst wäre ich auf die Suche gegangen. Aber das schaffe ich nicht mehr. Deshalb, liebe kleine Flocke, mach dich auf den Weg. Sei vorsichtig und nimm dich vor den schrecklichen Wölfen in Acht. Sie schleichen sich vor allem des Nachts an und verspeisen kleine Ponys mit Haut und Haar.“
Flocke schnaubte. „Ich habe keine Angst. Wenn so ein Wolf kommt, dann laufe ich einfach schnell weg.“