This ist Angie

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Schluckspecht & Schnapsdrossel
oder mein Hund, der Alkoholiker

An einem Samstagvormittag beschlossen Alan und ich einen Einkaufsbummel zu machen.
„Alles gesichert?“, fragte meine bessere Hälfte, als wir im Auto saßen.„Alles gesichert“, antwortete ich. „Die Zimmertüren sind zu, die Hunde schlafen friedlich im Korridor.“

Als wir nach dem Shoppen Hause kamen erwartete uns ein ungewohntes Bild. Während Murphy, der Dackelrüde, in seinem Körbchen auf dem Rücken lag und lauthals schnarchte, saß Emma, die Dackeline, mitten im Korridor und schien Mühe zu haben, die Balance zu halten. Ihr linker Mundwinkel hing herunter, vom linken Auge war nur ein Schlitz zu sehen. Der Hund schien nur darauf gewartet zu haben, dass wir nach Hause kamen, denn mit einem merkwürdigen Quiekton brach er vor mir zusammen.„Schatz, ich glaube der Hund hat einen Schlaganfall. Wir müssen sofort mit ihm zum Tierarzt. Vielleicht ist er noch zu retten“, rief ich in heller Panik und wies auf die jetzt zuckend am Boden liegende Hündin.„Du hast Recht.“ Auch Alan schien stark beunruhigt zu sein. So packten wir Emma auf den Rücksitz und fuhren los.Wir hatten Glück. Der Tierdoktor war gerade beim Mittagessen, ließ aber seine Mahlzeit stehen, um sich den Schlaganfallpatienten anzusehen.
Inzwischen schien Emma ins Koma gefallen zu sein, denn sie zuckte nur noch ab und zu, hatte ansonsten keine Reflexe mehr, atmete aber wenigstens. Der Tierarzt untersuchte sie gründlich, während ich mir verzweifelt auf die Fingerknöchel biss.
Schließlich wandte er sich uns zu. „Dieser Hund hat keinen Schlaganfall“, konstatierte er. „Ich vermute etwas ganz anderes. Habt ihr Hund freien Zugang zu Alkohol?“
„Ähm, ich verstehe nicht“, ich konnte mir auf diese Bemerkung keinen Reim machen. „Wie meinen sie das?“
„Nun ja, ihr Dackel ist sternhagelvoll. Sie sollten ihn sich richtig ausschlafen lassen. Dann ist er morgen so gut wie neu.
“Alan schüttelte den Kopf. „Woher sollte die Dackel den Alkohol haben? Obwohl - Murphy liegt merkwürdig verdreht in seinem Körbchen und schnarcht, dass die Wände wackeln. Möglicherweise ist er auch betrunken.“
Der Tierarzt nickte. „Murphy ist jünger als Emma, er kann den Alkohol besser vertragen. Während er einfach eingeschlafen ist, hat die Hündin Probleme damit, die Dosis zu verarbeiten. Es kann natürlich auch sein, dass sie einfach mehr getrunken hat.“
Ich musste kichern, denn vor meinem inneren Auge spulte sich ein Film ab:
Ich sah unsere Dackel auf dem Sofa lümmeln, eine Flasche von Alans Whisky und zwei Gläser zwischen sich auf dem Tisch. Murphy, Alans coole Sonnenbrille auf der Nase, schenkte ein und hieb der Hündin anschließend auf die Schulter. „Komm schon, altes Mädchen, sie sind weg. Lass uns einen drauf machen“, raunte er mit einer tiefen Gangsterstimme.
Emma schnaubte zustimmen durch die Nase. „Aber nur ein Schlöööckchen, in meinem Alter muss ich vorsichtig sein, wegen der Leber.“
Alan schaute streng über seinen Brillenrand. „Das ist wirklich nicht lustig und noch einmal: Wie in Gottes Namen sind die Hunde an den Alkohol gekommen.“ Es war ihm anzusehen, dass er sich Sorgen um seine Whiskybestände machte.
Ich wiegte belustigt den Kopf. „Vielleicht haben die Zwei einen geheimen Vorrat irgendwo in der Ecke, von dem du nichts ahnst, mein Lieber.“
Der Tierarzt unterbrach unsere Konversation. „Das werden sie sicher zu Hause klären können. Jedenfalls ist dieser Hund nicht krank, er muss einfach seinen Rausch ausschlafen. Wenn sie gestatten, so würde ich jetzt gerne zu Ende essen. Meine Rechnung schicke ich ihnen zu.“ Er hielt uns die Tür auf und komplementierte uns und die tierische Schnapsleiche so aus der Praxis.
Wieder zu Hause angekommen legte meine bessere Hälfte Emma sacht in ihr Körbchen. Murphy wachte auf, blinzelte uns benommen an, hob kurz den Kopf, ließ ihn aber schnell wieder sinken. Offenbar hatte er Kopfschmerzen.
„Recht geschieht dir, du oller Säufer“, schimpfte ich. „Jetzt muss ich erst einmal nachsehen, was ihr angestellt habt.“
Ich musste nicht lange suchen, denn die Wohnzimmertür stand sperrangelweit auf. Hier erwartete uns des Rätsels Lösung:
Alan und ich mögen ganz gern diese kleinen, mit einer Kirsche und Weinbrand gefüllten Pralinen in der roten Verpackung. Eine Schale voll damit hatte auf dem Wohnzimmertisch gestanden. Nun war von der süßen Versuchung nichts mehr vorhanden. Erstaunlicherweise fehlte auch der größte Teil des Papiers, in das die Pralinen eingewickelt waren. Die Schale lag umgekippt auf dem jetzt ziemlich klebrigen Wohnzimmertisch, von einigen roten Papierfetzen umrahmt. Offensichtlich hatten unsere Dackel das Wohnzimmer gekapert und sich über unseren Pralinenvorrat hergemacht. Kein Wunder, dass die beiden sturzbetrunken waren.„Oh je“, seufzte ich. „Das wird einen ordentlichen Durchfall geben.“
Alan zuckte mit den Schultern. „Da müssen wir oder besser die Hunde durch. Sei froh, dass den beiden nicht schlecht geworden ist, bei so viel Schokolade und vor allem; bei so viel Weinbrand. Wenigstens wissen wir jetzt, wie die Tiere an den Alkohol gekommen sind.“
Ich verpasste ihm einen sanften Ellenbogencheck. „Du bist bloß erleichtert, weil du um deinen Whisky gebangt hast, das kannst du ruhig zugeben.“ Meine bessere Hälfte grinste mich an. „Eben und deshalb werde ich mir jetzt einen kleinen Drink genehmigen, auf den Schreck.“

Die Dackel erholten sich ziemlich schnell von ihrer Pralinenschlacht und ich achtete in Zukunft darauf, sie von jeglichem Alkohol fernzuhalten. Allerdings gelang es Emma, der Schnapsdrossel, noch einmal, sich einen Rausch zu verpassen, indem sie Marillenlikör vom Boden aufleckte. Die Flasche war mir aus der Hand gerutscht und zerbrochen. Zwar zog ich den Hund weg, doch hatte er so schnell wie möglich so viel wie möglich aufgeschleckt. Zufrieden wackelte Emma in ihr Körbchen, wühlte sich in ihre Decke und war bald selig eingeschlafen. Als ich, inzwischen vertraut mit dem Thema Hunde und Alkohol, nach einiger Zeit nach ihr schaute, stand ihr eines Schlappohr fast senkrecht vom Kopf ab. Ich ließ den Hund in Ruhe seinen Rausch ausschlafen. Irgendwann hing das Ohr wieder in seiner natürlichen Stellung, was mich sehr beruhigte. Am nächsten Tag war Emma ziemlich missgelaunt, trabte beim Gassi gehen nur unwillig hinter mir her und knurrte bei jeder Gelegenheit den arglosen Murphy an.
Ob der Hund wohl einen Kater hatte?

Ein Dackel kommt selten allein
Kurzgeschichten  für tierliebe Menschen,
die uns schmunzelt, lächeln und lauthals lachen lassen.

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Alles fing damit an, dass meine Söhne unbedingt ein Pferd haben wollten.
„Aber das geht doch gar nicht“, versuchte ich es zunächst mit Humor. „Wir wohnen im ersten Stock! Wie wollen wir das Pferd das Treppenhaus hinauf bekommen?“
Tobias, damals im Kindergartenalter schaute mich ernst an. „Du bist aber dumm, Mama. Das Pferd braucht doch gar nicht die Treppe rauf. Und nachher macht es im Treppenhaus A-A, dann kriegen wir mächtig Ärger mit den Nachbarn.“
„Eben“, fügte sein Bruder Sebastian hinzu, er besuchte schon die zweite Grundschulklasse. „Wir bauen einfach einen Pferdestall auf dem Rasen, gleich neben dem Spielplatz. Dann können wir unser Pferd sogar vom Kinderzimmerfenster aus sehen.“ Die beiden hatten sich offensichtlich schon Gedanken über die Unterbringung gemacht.
Ich schloss sie tröstend in die Arme. „Wenn wir das machen, dann bekommen wir erst recht Ärger, denn das Grundstück gehört uns doch gar nicht. Ich kann gut verstehen, dass ihr gern ein Pferd hättet, aber das geht einfach nicht. Übrigens seid ihr noch viel zu klein für ein so großes Tier.“ Ich muss zugeben, dass auch ich mich zu klein für ein großes Pferd fühlte. So schön diese Tiere sind, sehe ich sie am liebsten aus der Distanz.
Meine beiden hatten mir aufmerksam zugehört. „Aber wenn wir größer sind, dann geht das vielleicht?“, fragte Tobias. „Vielleicht haben wir ja dann auch ein Grundstück, das uns gehört“, fügte sein Bruder hinzu.
Erleichtert, dass diese Klippe so leicht zu umschiffen war, gab ich ein folgenschweres Versprechen: „Die Sache mit dem Pferd muss ich mir noch überlegen, aber wenn wir irgendwann mal ein Grundstück haben, das uns gehört, dann schaffen wir uns auf jeden Fall einen Hund an. Darauf könnt ihr euch verlassen.“
„Ehrenwort?“ Die beiden strahlten.
„Ja, ganz großes Ehrenwort! Wisst ihr was, wenn ihr unbedingt ein Tier haben wollt, dann schauen wir uns einmal in der Tierhandlung um die Ecke um, vielleicht finden wir dort ein kleineres Tier, das ihr gut findet. Allerdings gehört es dann zu euren Pflichten, sich darum zu kümmern, das müsst ihr mir versprechen.“
„Versprochen, ganz großes Ehrenwort!“, erklang es zweistimmig.

Kiki
Ein paar Tage später standen wir in besagter Tierhandlung. Meine Söhne hatten lange beratschlagt, was es denn nun für ein Tier sein sollte, das sie anstelle eines Pferdes bekommen sollten. Sebastian, der Ältere, sprach sich dafür aus, sich einen mittelgroßen Fisch anzuschaffen, was sein Bruder mit dem Argument ablehnte, dass man mit einem solchen Tier nicht kuscheln könne. Er wollte lieber einen Hamster haben. Das wiederum wollte Sebastian nicht, denn sein Freund hatte schon etliche Hamster beerdigt. „Die sind nicht so haltbar, Tobias“, klärte er seinen Bruder auf. „Andauernd sterben sie weg. Willst du andauern Löcher für die toten Hamster buddeln?“
So kam meine Jockigeschichte gerade recht: Mir war eingefallen, dass wir, als ich ein Kind war, einen Wellensittich hatten, der sagenhaft zahm gewesen war. Jocki kletterte in die Brusttasche des Oberhemdes meines Bruders und war einfach ein putziges Kerlchen. Das erzählte ich meinen Söhnen. Sie waren Feuer und Flamme.
„Aber man braucht sehr viel Geduld und Liebe, um ein Tier so zahm zu bekommen“, erklärte ich noch einmal ausdrücklich, als wir vor der großen Voliere standen, in der es vor Sittichen nur so wimmelte. Tobias schaute mich treuherzig an. „Ich werde ihn schon zahm machen, Mama“, erklärte er energisch.
„Ja, ich auch“, fügte sein Bruder hinzu. „Darf der Vogel bei uns im Kinderzimmer wohnen? Bitte Mama, wir werden ihn auch ganz bestimmt sehr lieb haben!“
So erstanden wir einen kleinen, grünen Wellensittich, der den Namen Kiki bekam. Weil die beiden so sehr bettelten, stellten wir den Käfig auf den Schrank des Kinderzimmers, obwohl Alan, mein Mann arge Bedenken äußerte. Doch ich ließ mich von der Begeisterung der Jungen anstecken und erklärte, dass wir die Kinder auf diese Art schon frühzeitig mit der Verantwortung für ein Tier vertraut machen könnten. „Was sollen sie auch schon anstellen? Ich passe auf, dass das Fenster geschlossen ist, wenn wir den Vogel fliegen lassen, dann kann nichts passieren!“
„Wenn das mal gut geht!“, war Alans skeptischer Kommentar.
Fortan lebte Kiki also im Kinderzimmer. Ich fütterte und tränkte ihn und säuberte seinen Käfig, ansonsten kümmerte ich mich wenig um den Wellensittich. Die Jungen waren nach wie vor begeistert, der Vogel eher nicht. Er zeigte bald Anzeichen einer Persönlichkeitsspaltung. Manchmal war er wirklich handzahm und ich konnte ihn vorsichtig streicheln, dann wieder hackte er bei der kleinsten Annäherung um sich.
„Wahrscheinlich ist der merkwürdige Flattermann überzüchtet, das kommt häufig vor“, stelle Alan mit männlicher Logik fest.
Als ich jedoch einmal überraschend das Kinderzimmer betrat, weil mir der Geräuschpegel merkwürdig vorkam, verstand ich das seltsame Verhalten des Wellensittichs: Tobias trug seine Martinslaterne laut singend vor sich her. Aus ihrem Inneren drangen seltsame Kratzgeräusche und Krächzlaute. Insgesamt schien die Laterne ungewöhnlich schwer zu sein, denn sie pendelt unkontrolliert hin und her. Sebastian saß auf dem oberen Etagenbett und krümmte sich vor Lachen. Bei meinem Eintreten verstummte er abrupt, während sein Bruder versuchte, die Laterne hinter seinem Rücken zu verstecken. Dieses Unterfangen misslang ihm gründlich, zum einen war er viel zu klein dazu, zum anderen schien das Teil ein Eigenleben zu führen. Es fiel auf den Boden, wo es weiter hin und her rollte.„Sagt mal, was macht ihr eigentlich hier?“, entfuhr es mir, „Sankt Martin ist doch schon lange vorbei. Übrigens singt dein Bruder nicht so falsch, dass du dich über ihn kaputt lachen musst!“, wandte ich mich an meinen Ältesten.
„Tu ich ja gar nicht“, brummelte der. „Tobias macht andauernd so lustige Sachen, darüber musste ich lachen.“
„Und überhaupt übe ich für das nächste Mal Sankt Martin“, fügt Tobias, der nie um Ausreden verlegen war, hinzu.
Doch als der gebeutelte Wellensittich leicht schwankend aus der Martinslaterne kroch, fiel selbst ihm nichts mehr ein.Wie sich herausstelle, hatte das Kind, sehr zum Gaudium seines Bruders, den Vogel ins Innere der Laterne gestopft, wo dieser in heller Panik versuchte, aus dem schaukelnden Gefängnis zu entkommen. „Wenigstens hat der die Laterne nicht auch noch angesteckt“, das war mein erster Gedanke. Ich redete den beiden Übeltätern eindringlich ins Gewissen und drohte ihnen damit, den Vogelkäfig für immer aus dem Kinderzimmer zu entfernen, wenn so etwas noch einmal vorkommen sollte.
Meine Strafpredigt zeigte wenig Wirkung, denn ein paar Tage später erwischte ich Tobias wieder: Dieses Mal hatte er den Vogel am Schwanz gepackt und schwenkte ihn lustig lachend hin und her, während der verzweifelte Kiki versuchte, seinem Peiniger in die Hand zu kneifen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht an mich halten konnte und meinem Sohn eine Ohrfeige verpasste. Der heulte auch gleich los, ließ aber wenigstens den seekranken Vogel fallen.
Also kam der Vogelkäfig samt Inhalt in die Küche und die Jungen verloren schlagartig jedes Interesse. Kiki führte zwar von nun an ein stressfreies Leben, doch hatte er durch seinen Aufenthalt im Kinderzimmer irreparable psychische Schäden davongetragen. Er verließ seinen Käfig kaum noch und reagierte auf die Anwesenheit meines jüngsten Sohnes mit lautem Gezeter.
Leider hatte der bedauernswerte Wellensittich weiterhin Pech mit seinen Mitbewohnern: Er kam eines Tages auf die verwegene Idee die schützenden Höhe der Küchenlampe zu verlassen und unserem Dackel zu nahe. Man ahnt nicht, wie hoch so ein Dackel springen kann! Kiki verstarb auf tragische Weise und wir begruben ihn im Garten.
Erstaunlicherweise nahm Tobias den Tod des Sittichs persönlich. Mit dem empörten Ausruf: „Verschwinde aus meinem Zimmer, du Vogelmörder“, verjagte er für die nächsten paar Monate den verwunderten Dackel aus seinem Refugium. Nun, der Hund nahm‘s nicht persönlich und Tobias beruhigte sich mit der Zeit.

Jeany
„Du, Mama!“Ich horchte auf, denn immer wenn einer der Jungen seine Sätze so anfing, führte er etwas im Schilde. „Du, Mama, wenn wir jetzt umziehen in das neue Haus, dann haben wir doch ein eigenes Grundstück, nicht wahr?“, fragte Sebastian betont unschuldig, während sein Bruder sich im Hintergrund hielt.
Wir hatten uns nach langem hin und her dazu entschlossen, ein Haus zu bauen, die Wohnung war einfach zu klein für uns geworden.  „Natürlich, zu dem Haus gehört auch ein Grundstück, das ist ja klar.“
Jetzt hielt Tobias seine Stunde für gekommen. „Du hast uns versprochen, dass wir einen Hund bekommen, wenn wir ein eigenes Grundstück haben. Jetzt haben wir eines und kriegen auch einen Hund. Du hast es versprochen!“, erklärte er nachdrücklich.Von einem Pferd war schon lange keine Rede mehr, von dieser Idee hatten meine beiden sich nach erstaunlich kurzer Zeit verabschiedet. Ich musterte das Duo infernal streng. „Ich kann mich gut daran erinnern, was ihr mit dem armen Kiki angestellt habt. Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, ein weiteres Tier anzuschaffen.“
Sebastian schaute düster drein. „Siehst du, Tobias. Ich habe dir gleich gesagt, dass wir lieber noch nix sagen sollen. Jetzt hast du die ganze schöne Überraschung versiebt, du bist ja doof.“
Der so Gescholtene ließ den Kopf hängen.
Ich bemühte mich erst zu bleiben. „So, so, eine Überraschung? War die etwas für mich?“, fragte ich so harmlos wie möglich.
„Ja, eine ganz schöne Überraschung, für dich auch, aber auch für Papa und uns“, sagte mein Jüngstgeborener ernst. Sein Bruder verpasste ihm einen Ellenbogenstoß in die Seite. „Jetzt halt doch endlich mal die Klappe und lass mich das erklären. Also, Mama, es ist nämlich so: Die Maike aus meiner Klasse, die hat einen Hund und der ist total süß und lieb und der ist ziemlich klein. Nicht mal halb so groß wie ein Pferd. Und die ist ganz traurig und hat geweint“, hier machte Sebastian eine Pause, was Tobias die Gelegenheit gab, seinen Senf dazuzugeben. „Ja, die hat vielleicht geheult. Weil nämlich: ihre Mama geht wieder arbeiten und hat eine Alle-Allegi bekommen. Das bedeutet, dass sie den Hund weggeben will.“ Wieder stupste sein Bruder ihn unsanft an. „Jedenfalls müssen sie den Hund abgeben, sagt Maike. Ganz bestimmt Mama. Ich habe auch die Telefonnummer aufgeschrieben und angerufen. Maikes Mama hat gesagt, dass du mal vorbeikommen kannst und dir den Hund anschauen“, hier verstummte Sebastian und schaute mich aus großen, hoffnungsvollen Augen an. Auch sein kleiner Bruder schien mich mit seinem Blick hypnotisieren zu wollen und sagte, erstaunlicherweise, nichts.
Bei so viel Enthusiasmus und Tatkraft versprach ich, mich einmal mit Maikes Mutter in Verbindung zu setzen. „Aber zuerst müssen wir mit Papa über die ganze Sache sprechen und hören, ob er überhaupt einen Hund haben möchte.“
„Das haben wir schon gemacht. Er hat gesagt, dass wir dich fragen sollen. Er findet einen Hund klasse.“ Das waren ja schöne Aussichten.

„Ja, es stimmt. Wir müssen unseren Hund leider abgeben, weil ich eine Allergie gegen Hundehaare entwickelt habe. Im Übrigen habe ich keine Zeit mehr mich um das Tier zu kümmern, denn ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Wann möchten sie vorbeikommen, um sich das Tier einmal anzuschauen. Es war so witzig, als ihr Sohn bei mir angerufen hat.“ Maikes Mutter klang ziemlich forsch, wenigstens am Telefon.
„Nun, vielleicht erzählen sie mir erst einmal etwas über das Tier“, begann ich zaghaft. „Sebastian sagt, es wäre nicht all zu groß?“ Mein Sohn hatte gesagt, der Hund wäre nicht einmal halb so groß wie ein Pferd, also stellte ich mir einen mittelgroßen Neufundländer vor und ging davon aus, dass der Hund nicht für uns infrage kommen würde.
Maikes Mutter lachte laut auf. „Da hat ihr Sohn recht. So besonders groß ist der Hund nicht. Pini ist ein Rauhaardackel, saufarben, und ein Jahr alt, also wahrscheinlich ausgewachsen. Sie ist reinrassig und für einen Dackel ausgesprochen gut erzogen, darauf legen wir wert. Aber es wird wirklich das Beste sein, wenn sie sich das Hündchen einmal anschauen. Ach übrigens, weil das Tier ja sozusagen ein Gebrauchthund ist, wollen wir nur die Hälfte des Anschaffungspreises haben.“
Über den Preis hatte ich noch gar nicht nachgedacht, doch schien hier eine klare Vorstellung zu herrschen. Nun, erst wollte ich mir das Tier einmal anschauen, das hatte ich schließlich versprochen. Anschließend konnte ich immer noch in Ruhe entscheiden, ob ich überhaupt einen Hund haben wollte.
Bald darauf saß ich im Wohnzimmer der Familie. Zu meinen Füßen hockte der niedlichste kleine Hund, den ich mir vorstellen konnte. Pini vom Modestübchen war eine ausgesprochene Schönheit. Sie eroberte mein Herz im Sturm, einfach durch einen Augenaufschlag. Ich warf alle Bedenken über Bord und so zog Jeany, denn so tauften wir die Dackeldame, mit uns in das neue Haus.

Ein Dackel namens Murphy
Ein Roman für Dackelfans, Hundelfreunde,
Katzenliebhaber und tierliebe Menschen

Die Dackeldame Jeany ist in die Jahre gekommen. So beschließen ihre Menschen, noch einen jungen Hund anzuschaffen. Der Dackelwelpe Murphy erobert Alan und Alices Herz im Sturm. Jeany ist ganz anderer Meinung. Sie versucht dem Kleinen schon bei der ersten Begegnung klar zu machen, wer das Sagen hat. Doch davon lässt sich Murphy auf Dauer nicht beeindrucken. Mit seinem dackelmäßigen Dickkopf geht er seinen Weg.

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Wie Murphy seine Familie fand
Langsam wachte der kleine Dackelwelpe auf und räkelte sich. Wie immer lag er nah an seine Mutter und die Geschwister gekuschelt. Wie schön warm, weich und behaglich sich das anfühlte. Doch heute war irgendetwas anders als sonst, es erschien ihm alles sehr viel heller und lauter. Er öffnete die Augen.
MOMENT!
Er konnte die Augen öffnen! Zum ersten Mal in seinem bis jetzt drei Wochen andauernden Leben sah er. Und nicht nur das – er konnte auch hören. Das helle Licht und die vielen Töne verwirrten ihn und er schaute hilfesuchend um sich.
„Hallo mein kleiner Murphy, aufgewacht?”, fragte eine liebe Stimme. Der Dackeljunge wusste ganz von selbst, dass es die Stimme seiner Mutter war. Jetzt regten sich auch die Geschwister, deshalb bemühte sich Murphy als erster an die Zitzen seiner Mutter zu kommen, denn er hatte plötzlich einen mächtigen Hunger. Als er sich satt getrunken hatte, kuschelte er sich wieder ganz dicht an und schlief glücklich ein.
Als er das nächste Mal aufwachte, hatte er schlimme Zahnschmerzen und jammerte drauflos. Liebevoll leckte ihn seine Mutter ab. „Du bekommst deine Milchzähne, mein Kleiner. Das tut ein bisschen weh, aber es vergeht auch wieder. Trink noch ein wenig Milch und dann kuschelst du dich ganz nah an mich.“ Das tat der kleine Dackel auch, und bald war er eingeschlafen.

***
Heute Morgen wurde er durch seine Geschwister geweckt: Einer seiner Brüder versuchte, Murphys Pfote anzuknabbern, während ein anderer seine Nase ableckte. Das kitzelte ganz schön.
„Hey, lass das gefälligst sein!“ Murphy nieste ausgiebig und befreite anschließend sein Vorderbein aus dem Maul seines Bruders. Anschließend musterte er seine Umgebung interessiert. Er saß zusammen mit seiner Mutter und den fünf Geschwistern in einer großen Holzkiste, die innen mit Sägespänen ausgelegt war. Der Raum, in dem sie sich befanden erschien ihm ziemlich groß und dunkel, aber der Welpe hatte keine Angst, er war ja nicht allein. Während er prüfend die Luft einsog um seine Umgebung besser kennenzulernen öffnete sich die Tür, ein seltsames Wesen betrat den Raum.
„Das ist ein Mensch, Kinder“, klärte die Dackelmutter ihre Welpen auf. „Ihr müsst immer nett zu ihm sein und ihm gehorchen, denn er ist unser Rudelführer. Er füttert uns und er sorgt für unsere Sicherheit.“
„Aber er sieht komisch aus, Mama“, wagte Murphy einzuwenden.
Liebevoll schaute seine Mutter ihn an. „Das macht nichts. Er ist zwar nicht so hübsch wie wir, aber er bringt uns das Futter.“
Der Mensch hielt eine große und eine kleine Schüssel in den Händen, beugte sich herunter und stellte die Schüsseln auf den Boden, während er redete. „So, hier ist euer Futter. Einmal für die Mutter und eine Schüssel für die Jungen.“
Murphys Mutter ging zu der großen Schüssel und fraß daraus. Während sie kaute, ermunterte sie ihre Welpen: „Der kleine Napf ist für euch. Versucht das Futter einmal. Es schmeckt sehr gut.“
Vorsichtig ging Murphy als Erster zu dem kleinen Napf und roch prüfend am Inhalt. Es duftete verlockend. Anschließend probierte er laut schmatzend. Es schmeckte wirklich gut, wenn auch nicht so toll wie Mamas Milch. Nach und nach wagten sich seine Geschwister auch an den Napf, der in Windeseile leer gefressen war.
Der Mensch hatte ihnen mit großen Vergnügen zugeschaut. Er nahm die leeren Schüsseln auf. „Donnerwetter“, staunte er, „das nächste Mal muss ich euch ein bisschen mehr Futter bringen.“
„Das ist eine gute Idee“, sagte Murphy.
Der Mensch drehte sich um. „Du bist ja ein ganz Frecher! Kläfft mich jetzt schon an.“
„Nein, ich meinte nur, dass du das nächste Mal mehr Futter mitbringen sollst“, antwortete Murphy, aber der Mensch verstand ihn wohl nicht, denn er ging aus dem Raum, ohne geantwortet zu haben.„Ihr müsst verstehen, dass die Menschen unsere Sprache nicht sprechen“, erklärte die Dackelmutter. „Doch wir können uns ihnen trotzdem verständlich machen. Sie sind nur manchmal etwas schwer von Begriff.“ Sie seufzte tief. „Wir  müssen ein wenig Geduld aufbringen, früher oder später verstehen unsere Menschen, was wir von ihnen möchten.“
Das war alles sehr aufregend für Murphy und so legte er sich hin und machte ein Nickerchen.
Später wachte er davon auf, dass der Mann erneut in den Raum kam und mit den Futterschüsseln klapperte. Weil er nun schon wusste, wie es ging, bemühte er sich wieder als erster an den kleineren Napf zu kommen. Das gelang ihm mit einem Trick: Er kniff einfach die Augen zusammen, nahm Anlauf und rannte los. Durch den Schwung gelang es ihm seine Geschwister wegzuschupsen und so das wohlschmeckende Futter einen Moment alleine genießen zu können. Trotzdem mochte Murphy nicht auf Mutters Milch verzichten und holte sich nach dem Essen noch einen Nachtisch bei ihr.

***
Die Tage vergingen. Murphy trank Milch, aß das Futter, das der Mensch regelmäßig vorbeibrachte, und schlief viel. Zwischendurch spielte er mit seinen Geschwistern. Nach und nach traute er sich immer weiter aus der Ecke heraus, in der die Schlafkiste für ihn und seine Familie stand. Bald hatte er alle Teile der Garage, denn das war der große Raum, beschnüffelt. Nun kannte er sich richtig gut aus und tollte mit seinen Geschwistern im ganzen Raum herum. Wenn die Kleinen zu stürmisch miteinander umgingen ermahnte sie die Mutter.
„Vorsicht Kinder, verletzt euch nicht. Merkt euch: Wenn ihr in irgendetwas beißt und es quiekt oder schreit, dann müsst ihr loslassen weil es lebendig ist.“
Heute schien ein besonderer Tag zu sein, denn die Dackelmutter leckte ihre Jungen sehr sorgfältig ab. „Kinder, ihr müsst sauber sein. Es kommen Leute, die euch anschauen.“ Sie seufzte wieder einmal tief. „Wir werden uns  bald trennen müssen. Ihr findet eure Menschen, sie suchen euch jetzt bestimmt aus. Ich muss schließlich zurück zu meinen Leuten.“
„Ich will auch mit zu deinen Leuten, Mama“, piepste Murphy erschrocken. „Mich braucht keiner aussuchen. Ich will auch keinen eigenen Menschen. Die sind mir zu groß und sie riechen komisch!“
Beruhigend leckte ihm seine Mutter über den Kopf. Sie kam nicht mehr dazu, ihm zu antworten, die Tür öffnete sich und herein kam der Futterbringer. Zwei weitere Menschen folgten ihm zögernd.
„Jetzt benehmt euch gut, Kinder“, flüsterte die Mutter. „Das sind die Ersten, die sich einen von euch aussuchen möchten. Ein Mann und eine Frau, das ist schon mal gut. Sie sehen freundlich aus, das ist noch besser.“
Murphy musterte das Pärchen mit finsterem Blick: Das waren also die Leute, die ihn von seiner Mama und den Geschwistern trennen wollten! Das durfte niemals geschehen! Bösartig grollend stürzte er sich auf den Größeren der beiden. „Hey, du, ich will bei meiner Mama bleiben. Wenn du mich aussuchst, dann beiß ich dich“, bellte er so laut er konnte und zur Bekräftigung biss er in einen langen Faden der dem Mann aus dem Schuh hing. „Ha! Ich meine es ernst!“
Die Frau ging in die Hocke und strich ihm sacht über den Kopf. „Och, schau mal Alan, ist der süß! Er mag dich!“
Alan lachte. „Ja, das ist ein munterer kleiner Kerl und ich mag ihn auch“, mit diesen Worten streichelte auch er den kleinen Hund. Einen Moment lang schloss Murphy genießerisch die Augen. Streicheln fühlte sich noch besser an als Mutters Abschlecken, doch dann besann er sich und versuchte noch gefährlicher zu knurren, während er den Schuhfaden weiter langzog.
Wieder lachte der Mann. „Der Kleine ist wirklich super, was meinst du? Wollen wir ihn nehmen?“
„Oh ja, Alan, er ist so niedlich und auch so lebhaft. Ich habe ihn jetzt schon lieb! Und wie süß er maunzt!“ Die Frau schien ziemlich dumm zu sein, denn begriff nicht, dass Murphy gefährlich knurrte.
„Das ging ja schnell“, meldete sich der Futtermensch zu Wort. „Wissen sie schon einen Namen für den Hund?“
Alan brauchte nicht lange zu überlegen. „Ja sicher, er heißt Murphy“, verkündete er nach einem kurzen Blick auf den kleinen Hund, der immer noch an seinem Schnürsenkel zerrte.
Verblüfft ließ Murphy los. „Woher weißt du denn meinen Namen?“ fragte er.
Alan nahm ihn auf den Arm. „Da staunst du, mein Kleiner“, sagte er. „Du und ich – wir werden ein super Team.“
Murphy konnte gar nicht anders, er kuschelte sich an und schloss die Augen, während Alan ihm den Bauch kraulte. „Jetzt bleibst du noch einige Zeit bei deiner Mutter. In drei Wochen holen wir dich ab.“
Der Futtermensch mischte sich ein: „Ja, dann behalte ich das Tier eben bis sie aus dem Urlaub kommen. Das ist kein Problem.“ Behutsam setzte Alan den kleinen Hund wieder zu seiner Mutter in die Kiste. „Dann sind wir uns einig. Die Welpen sind sowieso im Moment noch besser bei ihrer Mutter aufgehoben. In drei Wochen haben sie das richtige Alter.“
Zum Abschied streichelte er Murphy noch einmal. „Bis bald, Kumpel. Wir sehen uns!“
Als die Hundekinder später völlig erschöpft von all der Aufregung des Tages neben ihrer Mutter einschliefen, flüsterte diese Murphy ins Ohr. „Siehst du, das sind DEINE Menschen – du hast sie und sie haben dich ausgesucht! Genau so muss das sein!“

Hier wird es tierisch ...

Dackel Murphys Abenteuer
Roman

Dackeljunge Murphy hat es wirklich nicht leicht:
Kaum hat er seine neue Familie gefunden, versucht die vornehme Dackeldame Jeany ihm Manieren beizubringen.
Nicht genug damit stöbert er eines abends ein junges Kätzchen auf. Lisa wird ein neues Familienmitglied und bringt den Haushalt ganz schön durcheinander. Anschließend zieht nebenan auch noch Idefix ein. Nicht nur, dass dieser Hund größer ist als der Dackel - er hat auch noch viele längere Ohren und ist deshalb bei den Weibchen heiß begehrt.
Doch wenn Murphy gedacht hat, er würde nach all der Aufregung endlich einmal seine Ruhe haben, so irrt er sich gewaltig, denn jetzt kommt Emma….