This ist Angie


Roman

Sieben Jahre sind seit der Scheidung von Alfred und Elisa vergangen. Sieben Jahre, in denen Elisa und ihre beiden Söhne sich gut in ihrem neuen Leben eingerichtet haben. Doch in der letzten Zeit muss Elisa immer öfter daran denken wie es wäre, sich neu zu verlieben, mit allem Drum und Dran:„Mit Schmetterlingen im Bauch und nachts vor Sehnsucht nicht schlafen können. Mit kribbeln in den Fußsohlen und das Handy mit aufs Klo nehmen, weil man sonst seinen Anruf verpasst.“
Als sie ihrer besten Freundin Annerose von ihren Sehnsüchten erzählt, winkt diese ab. Anne steckt mitten in einer Beziehung, in der es gewaltig kriselt. Schließlich überredet Elisa ihre Freundin, mit ihr zusammen eine virtuelle Kontaktanzeige aufzugeben. Die beiden bekommen eine Menge Post und machen sich daran, die Angebote zu sichten.
Auch Lara, Elisas Ex-Schwägerin, ist in ihrer Ehe nicht glücklich. Doch im Gegensatz zu den Freundinnen sucht sie einen Mann zum Fremdgehen und meldet sich in einem Forum an, das diskrete Seitensprünge verspricht. Alle diese Aktivitäten können nur zu Verwicklungen und komischen Situationen führen.
Ruhrpottabschied ist der vierte und letzte Teil der Ruhrpottsaga, in dem mit Herz und Humor geschildert wird, was Frau erleben kann, wenn sie sich auf die Männersuche per Internet begibt.

Leseprobe:


März:

„Schon 7 Jahre. Heute genau auf den Tag“, dachte Elisa, während sie aus ihrer Kaffeetasse nippte. Zur Sicherheit schaute sie noch einmal auf den Kalender. Doch, sie hatte sich nicht verguckt. Neben dem heutigen Datum stand eindeutig ein Vermerk: ‚Scheidung, unbedingt feiern’. Das hatte sie, so wie in jedem Jahr, eigenhändig im Kalender eingetragen. Sie nahm sich vor, am Abend eine Flasche Sekt zu öffnen und auf die beste Entscheidung ihres Lebens anzustoßen. Sie würde Annerose, ihre beste Freundin, im Laufe des Tages anrufen und sie fragen, ob sie Lust hätte an der kleinen Feier teilzunehmen. In der Regel ließ es sich Anne nicht nehmen, an diesem Tag bei Elisa vorbeizuschauen.

Obwohl sich alles zum Guten entwickelte, Elisa einen großen Bekanntenkreis hatte, fühlte sie sich in letzter Zeit nicht besonders wohl. Immer öfter musste sie an Alan denken. Alan mit den rauchgrauen Augen, den sie kurz vor der Trennung von ihrem Mann kennen gelernt hatte. In den sie sich verliebt und den sie trotzdem zurückgewiesen hatten. Damals war sie sicher gewesen, das Richtige zu tun. Schließlich musste sie ihr Leben neu sortieren, musste zunächst einmal an die beiden Kinder denken. Jetzt war sie nicht mehr so sicher, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.„Du musst wissen, was du willst. Wenn du im Moment keine Beziehung eingehen kannst, so werde ich das schweren Herzens akzeptieren. Aber solltest du uns nicht wenigstens die Chance geben, uns richtig kennenzulernen? Vielleicht änderst du deine Meinung“, sagte Alan, während er sie sanft in die Arme zog.
Elisa machte sich entschlossen frei. „Bitte, mach es mir nicht so schwer. Ich muss erst einmal den Kopf frei bekommen. Es ist im Moment alles zu viel für mich. Erst muss ich mich von meinem Mann trennen, eine Baustelle fertig machen“, erklärte Elisa mit einem schiefen Lächeln. „Dann kann ich neu anfangen.“
„Du hast alle Zeit der Welt, kannst dich jeder Zeit bei mir melden. Ich bin für dich da, wenn du das möchtest. Aber das musst du mir dann schon sagen. Ich werde dir nicht hinterherlaufen. Schließlich habe ich auch meinen Stolz.“
Bei diesem Satz war es geblieben. Elisa hatte nie wieder Kontakt mit ihm aufgenommen und Alan hatte sich, wie er es gesagt hatte, nicht bei ihr gemeldet.

‚Jetzt ist es aber genug’, mit einem energischen Ruck holte sich Elisa in die Wirklichkeit zurück. ‚Dir geht es gut. Du wolltest nie wieder fest mit einem Mann zusammen sein und niemals und unter keinen Umständen wieder in die Ehefalle tappen!’ Das hatte sie sich hoch und heilig geschworen. Trotzdem, es wäre schön, sich wieder zu verlieben. Schließlich hatte sie aus ihren Fehlern gelernt. In einer neuen Beziehung würde sie alles richtig machen.

***
„Du spinnst ja“, erklärte ihr die Ex Schwägerin Lara unumwunden, als Elisa bei einem spontanen Treffen von den wieder erwachten Sehnsüchten erzählte. „Sei froh, dass du frei und ungebunden bist. Ich würde sonst was darum geben.“
Erstaunt horchte Elisa auf. „Sag mal, was ist jetzt los? Roland und du, ihr seid schon so lange zusammen. Ihr versteht euch doch fantastisch, jedenfalls sieht das nach außen hin so aus. Ist irgendetwas passiert? Muss ich mir Sorgen machen?“
„Ach, weißt du, es mag alles toll aussehen zwischen uns, ist es aber schon lange nicht mehr. Roland arbeitet immer so viel. Er ist meist abgeschlafft, schlecht gelaunt und will von mir bedient werden. Zudem unternehmen wir überhaupt nichts mehr zusammen, nicht einmal am Wochenende hat er Lust aus dem Haus zu gehen.“ Gedankenversunken rührte die Freundin in ihrem Kaffee herum. „Wenn ich noch einmal die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich nicht heiraten.“
„Aber Lara, wie kannst du das nur sagen“, rief Elisa geschockt aus. „Bestimmt hast du nur eine Depri-Phase. Oder kommst du schon in die Wechseljahre? Roland ist immer so lieb und zuvorkommend zu dir. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es zwischen euch mal so richtig kracht.“
„Ich bin weder in den Wechseljahren, noch depressiv, meine Liebe. Und von wegen zuvorkommend und lieb! Hast du eine Ahnung. So benimmt sich Roland, wenn jemand dabei ist. Sind wir allein, so lässt er den Macho raushängen. In der letzten Zeit streiten wir uns nur noch. Wenn das so weitergeht, dann, dann ...“, Lara suchte nach Worten, „ ... dann suche ich mir einen Liebhaber, was fürs Herz und zum Kuscheln. Du und ich können ja zusammen damit anfangen“, fügte sie grinsend hinzu.„So war das aber jetzt nicht gemeint“, grinste Elisa zurück. „Im Grunde deines Herzens liebst du Roland, auch wenn du jetzt über ihn herziehst. Bestimmt renkt sich alles wieder ein. Du musst einfach Geduld haben.“
„Du hast gut reden, dir geht nicht ständig jemand auf den Geist. Aber lassen wir das jetzt. Was hast du vor? Du kannst ja schlecht ein Plakat vor dir hertragen mit der Aufschrift: Suche netten Mann zum Verlieben.“
„Stimmt. Vielleicht rede ich mal mit Anne. Sie hat in Punkto Männer mehr Erfahrung als wir beide zusammen.“

***
Tatsächlich ergab sich für Elisa bald die Gelegenheit, mit ihrer besten Freundin über das Thema zu sprechen. Sie und Annerose hatten es sich in Elisas Wohnzimmer bei einem Glas Rotwein bequem gemacht. Diese Mädel Abende hatten sich nach Elisas Trennung wieder eingebürgert. Manchmal klinkte sich Lara mit ein, was aber heute nicht der Fall war.
Anne hatte sich, nach den negativen Erfahrungen mit ihrem Ehemann, nie wieder fest gebunden. Zwar gab es in regelmäßigen Abständen einen Favoriten, doch hielten diese Beziehungen nie sehr lange. Ihre letzte Eroberung war ein 10 Jahre jüngerer Mann, der in der  Wohnung über ihr lebte. Die Beziehung zwischen den beiden war ein ständiges auf und ab, wobei es in der letzten Zeit sehr nach einer steilen Talfahrt aussah. Auch Anne schien beziehungstechnisch so gar nicht zufrieden zu sein.
„Wie schaut es mit deinem Henry aus? Habt ihr euch nach dem letzten Streit wieder zusammengerauft?“, fragte Elisa interessiert.
Anne zuckte betont gleichgültig die Schultern. „Er ist nicht mein Henry und es interessiert mich nicht, was der Typ macht. Es ist ärgerlich, dass er mein Nachbar ist. Ich sehe ihn viel zu oft durch den Hausflur schleichen.“
„Das hört sich gar nicht gut an. Du hast ihm doch vor gar nicht so langer Zeit den tollen Schreibtisch spendiert. Da hat es noch ausgesehen, als wärt ihr das Dream-Team schlechthin. Hat er sich für das Geschenk nicht revanchiert und dich nett zum Essen ausgeführt oder warum bist du so sauer auf ihn?“
Anne pustete die Wangen auf, ließ die Luft anschließend langsam wieder entweichen. „Witzbold. Wie sollte er das. Er steckt doch immer noch mitten im Studium und ist chronisch pleite. Wie oft ich ihm schon Geld geliehen habe, kannst du dir nicht vorstellen. Ich kann ihn höchstens zum Essen einladen, aber darauf habe ich auch keine Lust mehr. Das letzte Mal ist er anschließend zwar mit in meine Wohnung gekommen, hat sich dann allerdings auf die Couch gelegt und ist eingeschlafen. Und geschnarcht hat er auch noch.“
Elisa unterdrückte ein Kichern, was Anne noch mehr in Rage brachte. „Ich habe ihn kurzerhand rausgeschmissen und mir zur Beruhigung einen Krimi angeschaut. Das muss ich mir wirklich nicht noch einmal antun. Überhaupt ist er in der letzten Zeit immer müde und hat keine Lust auf Sex. Egal was ich probiere, er winkt jedes Mal ab.“
„Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Henry ist doch gerade mal 30. Eigentlich müsste er scharf wie sonst was auf dich sein. Hat er denn in der Uni so viel Stress? Oder meinst du, dass er, na ja, dass er eine Andere kennengelernt hat?“, fragte Elisa vorsichtig.„Das glaube ich nicht. Wenn er nicht in der Uni ist, dann ist er zu Hause oder hier bei mir. Wann sollte er sich mit einer anderen Perle treffen? Ob er in der Uni Stress hat? Auf mich macht er jedenfalls einen tiefenentspannten Eindruck, wenn er zurückkommt. So anstrengend ist das alles also auch nicht“, sinnierte Anne. „Vielleicht liegt es daran, dass wir schon fast zwei Jahre zusammen sind. Nach einiger Zeit schleicht sich in jede Beziehung eine gewisse Routine ein. Ich werde ihm vorschlagen eine Beziehungspause einzulegen, denke ich, damit wir uns beide darüber klar werden, was wir wollen.“
„Jetzt komm, Anne. Weißt du nicht, was du willst? Vor allem: Willst du Henry wirklich nicht mehr? Eine Pause von der Beziehung, das klingt wie der Anfang vom Ende. Du solltest ihn öfter mal anmachen, wenn er lustlos ist. Das bringt ihn schon in die Puschen.“
„Du ahnungsloser Engel. Meinst du, dass ich auf die Idee nicht schon selbst gekommen bin? Letzte Woche habe ich den allerletzten Versuch gestartet. Dazu hatte ich mir richtig scharfe Wäsche gekauft und die passenden Halterlosen. Das habe ich angezogen, Highheels dazu und meinen schwarzen Seidenkimono. Ich wusste, dass Henry oben in seiner Wohnung war. Er hatte sich abgesetzt, weil er lernen wollte. So bin ich also hochgegangen. Der Nachbar von ganz oben ist mir im Flur begegnet. Du glaubst nicht, was der für Stielaugen gekriegt hat, dass ihm der Sabber nicht das Kinn hinunter gelaufen ist, war alles. Egal, ich habe jedenfalls bei Henry geklingelt und mich gegen den Türpfosten gelehnt, so in etwa.“ An dieser Stelle lehnte sich Anne in einer eindeutig lasziven Pose an die Wohnzimmertür.
Elisa verfolgte ihr Tun mit offenem Mund. „Und dann hat er dich in die Wohnung gezerrt und so richtig ...“
„Von wegen, so richtig“, unterbrach die Freundin sie. „Er hat die Tür aufgemacht, kurz gestutzt und hat sich wieder an seinen Computer gesetzt. Ach ja und er hat ‚komm doch rein’ gemurmelt. Aber ich habe nicht aufgegeben, sondern den Kimono runtergleiten lassen, bin zu ihm hin gestöckelt und habe ihm sanft die Schultern massiert. Weil er doch so verspannt war und so.“ Anne, die immer noch an der Tür gestanden hatte, ließ sich in ihren Sessel plumpsen. „Was soll ich dir sagen. Er hat kurz aufgeschaut und gesagt, ich solle doch den Kimono oder besser seinen alten Frotteebademantel anziehen, sonst würde ich mich wohlmöglich erkälten. Dann hat er weiter wie verrückt auf der Tastatur herumgetippt und mich vollständig ignoriert. Das kann doch nicht normal sein. Wenn ich mir vorstelle wie das vor einem Jahr gewesen ist, dann werde ich ganz wehmütig.“
„Vielleicht solltest du ihm etwas Zeit geben. Oder tatsächlich eine Beziehungspause einlegen, obwohl ich das nicht für richtig halte, wenn du mit ihm zusammenbleiben möchtest“, hier zögerte Elisa einen Moment, bevor sie entschlossen fortfuhr. „Möglicherweise ist er sich auch seiner Sache zu sicher. Ein bisschen Eifersucht hat noch nie geschadet. Ich weiß, du würdest ihn nie betrügen, das sollst du ja auch gar nicht“, kam sie der Freundin zuvor, die protestierend aufgefahren war. „Er soll nur wieder merken, was für eine tolle Frau du bist, dass du an jedem Finger zehn Kerle haben könntest, wenn du das wolltest. Übrigens wäre es einfach schön, sich neu zu verlieben, meinst du nicht? Na ja, wenigstens etwas verlieben“, erklärte sie mit einem Seitenblick auf Annes skeptische Miene. „So mit Schmetterlingen im Bauch und nachts vor Sehnsucht nicht schlafen können. Mit kribbeln in den Fußsohlen und das Handy mit aufs Klo nehmen, weil man sonst seinen Anruf verpasst.“
„Ja, klar und mit Heulattacken, weil er nicht anruft. Mit Schlafentzug und am nächsten Morgen völlig fertig sein. Mit mitleidigen Blicken von den Kollegen und einem ernsten Gespräch beim Chef. Und das alles letztendlich nur, um meinen Freund eifersüchtig zu machen? Das muss ich wirklich nicht haben.“ Anne schaute ihre Freundin für einen Augenblick aufmerksam an. „Was ist los mit dir? Bisher hieß es immer: Ach nö, bloß nicht wieder eine Beziehung eingehen. Das kommt für mich nicht in Frage. Plötzlich redest du vom Kribbeln und von Schmetterlingen im Bauch.“
Elisa seufzte. „Das habe ich auch immer so gemeint wie ich es sagte. Aber es hat sich in der letzten Zeit einiges verändert. Die Jungen sind jetzt 14 und 16 Jahre alt und brauchen mich nicht mehr so, wie nach der Trennung von Alfred. Sie machen ihr Ding, sind mit ihren Freunden unterwegs. Nicht mal mehr ins Kino gehen sie mit mir. Und ich habe lange gebraucht, um mit dem traurigen Ende meiner Ehe klarzukommen. Das alles zu verarbeiten hat seine Zeit gedauert, das weißt du doch aus Erfahrung. Inzwischen habe ich mich in meinem Leben eingerichtet, fühle mich wohl darin. Jetzt hätte ich Platz und Zeit für eine neue Liebe.“
„Das ist ja alles gut und schön, aber wie stellst du dir das vor. Wir sind beide nicht mehr taufrisch. Männer, die altersmäßig zu uns passen ... Henry lasse ich jetzt mal außen vor, der ist ausgesprochen frühreif“, grinste Anne ihre Freundin an, was diese laut auflachen ließ. „Also, passende Männer sind entweder verheiratet und suchen eine Gelegenheit für einen Seitensprung. Oder sie sind geschieden, haben kleinere Kinder und müssen Unterhalt bezahlen. Ja, und dann gibt es noch die unverheirateten, aber das die nicht alle Latten im Zaun haben ist an fünf Fingern abzuzählen. Schöne Aussichten.“ Entschlossen trank Anne ihr Weinglas leer. „Und jetzt bist du dran.“

.......


Mai

Annerose hatte sich mit ihrem ersten Date zum Essen verabredet und war angenehm überrascht. Oliver, der Architekt, sah im Original noch besser aus als auf dem Foto, das er ihr zugeschickt hatte. Strahlend kam er auf sie zu und begrüßte sie überschwänglich: „Hallo, es freut mich sehr, dich heute treffen zu dürfen. Der Tag war bis jetzt schön, nun wird er perfekt.“
Auch Anne strahlte. „Schön dich zu treffen.“ Sie setzte sich, wobei er ihr den Stuhl zurecht rückte. Es würde ein toller Abend werden, in diesem Punkt war sich Anne sicher.„Womit darf ich dich verwöhnen? Vielleicht mit einem Gläschen Champagner?“
„Gerne, ich liebe Champagner.“
Oliver gab sich ganz als Mann von Welt, suchte das Menü und den passenden Wein aus, prostete ihr zu. „Auf uns, auf einen perfekten Abend mit einem wundschönen Abschluss!“ Er schaute ihr tief in die Augen. „Du bist noch schöner, als ich es vermutet hatte. Die Fotos, die du mir geschickt hast, werden dir nicht gerecht.“
Das Essen war vorzüglich, der Wein richtig gut, Oliver beherrschte den Smalltalk perfekt. Annerose fühlte sich berauscht, was nicht nur am Alkohol lag. Sie schien einen Glücksgriff getan zu haben. Dieser Mann war fantastisch: gut erzogen, charmant, großzügig und er schien nicht unvermögend zu sein. Zumindest ließ das seine äußere Erscheinung vermuten. Sie würde die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, austesten wie fantastisch er wirklich war.
Nach dem Dessert und dem anschließenden Espresso kam sie zur Sache.„Was meinst du, ich habe zu Hause noch eine Flasche  ‚Pommery‘‚ auf Eis. Die habe ich für eine besondere Gelegenheit aufbewahrt.“
Wieder schaute ihr Oliver tief in die Augen. „Es wäre schön, wenn das jetzt die besondere Gelegenheit wäre.“

Bald darauf saßen die beiden eng umschlungen auf der Couch in Annes Wohnzimmer. Sie stellte fest, dass Oliver auch im Küssen versiert war. Plötzlich öffnete sich die Tür. Henry stand im Zimmer. „Ich hoffe ich störe nicht!“
„Henry, was willst du? Sorry, Oliver, das ist ein Nachbar und Freund. Er wohnt eine Etage höher“, stöhnte Annerose.„Mein Kaffee ist alle und da wollte ich mir welchen von dir ausleihen.“ Henry ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Annerose wedelte ungeduldig mit der Hand. „Hol dir aus der Küche was du brauchst. Und dann Tschüss!“ Entschuldigend wandte sie sich wieder Oliver zu. „Ich sollte ihm wirklich den Schlüssel abnehmen.“
Henry klapperte in der Küche herum. Wenig später war er verschwunden. Etwas irritiert nahm Oliver sie wieder in den Arm, küsste sie zärtlich. Annerose seufzte wohlig und erwiderte seinen Kuss.
Ein Schlüssel klapperte, Henry stand wieder in der Wohnzimmertür. „Entschuldigung, habt ihr ein paar Zigaretten? Meine sind alle.“
Anne griff sich die fast volle Zigarettenpackung vom Tisch und marschierte auf den Störenfried zu: „Hier, nimm die Schachtel einfach mit hoch, sonst noch was? Ein paar Erdnüsse, Käsecracker oder Chips? Nimm dir einfach  was du für die nächsten 14 Tage brauchst und komm bitte heute nicht noch mal runter!“
„Bin ja schon weg, sei doch nicht so unfreundlich!“ im Hinausgehen wandte sich Henry an Oliver. „Danke für die Zigaretten und viel Spaß noch!“
Der zog die Augenbrauen hoch. „Was war das denn jetzt? Ein Freund und Nachbar, hm?“
„Vergiss ihn einfach. Wir waren vor langer Zeit kurz zusammen. Da läuft gar nichts mehr!“ Zärtlich strich sie über Olivers Oberschenkel. „Jetzt sollten wir uns um wirklich wichtige Sachen kümmern!“
Das ließ sich Oliver nicht zweimal sagen. Wenig später kümmerte er sich intensiv um alle wichtigen Sachen, die Annerose zu bieten hatte. Auch das konnte er wirklich gut. Sie stöhnte laut und langanhaltend.
Plötzlich hämmerte es heftig an der Wohnzimmertür. „Um Gottes Willen Annerose, ist alles in Ordnung, geht es dir gut? Soll ich den Notarzt holen?“
Das war selbst für den in allen Lebenslagen versierten Oliver zu viel. Er raffte seine Kleidungsstücke zusammen, drängte sich an Henry vorbei und lief ins Badezimmer. Einen kurzen Augenblick später erschien er korrekt bekleidet wieder im Flur. „Der Notarzt wird nicht nötig sein, aber vielleicht solltet ihr beide einen Psychiater konsultieren!“, mit diesen Worten verließ er die Wohnung.„Mensch Anne, ich hab`s  doch nur gut gemeint…“, weiter kam Henry nicht, denn Annerose griff sich den nächstbesten Gegenstand, in diesem Fall war es ein Kristallaschenbecher, und warf nach ihm.

Ruhrpottabschied