This ist Angie

Vor einiger Zeit ist ein britischer Verlag (advantace materials) an mich herangetreten.
Man plante ein Deutschlehrbuch und bat mich darum, eine meiner Geschichten verwenden zu dürfen.
Inzwischen wird das Buch "Deutsch im Einsatz" von der Cambridge University Press, dem Universitätsverlag und Bestandteil der University of Cambridge verlegt und meine Geschichte "Immer diese Ausländer" ist mit von der Partie, was mich ganz besonders freut.


Hier ist die Geschichte:

Immer diese Ausländer
„Immer diese Hetzerei, nie kann man mal in Ruhe eine Kleinigkeit essen! Dieses muss bis zum Mittag noch fertig werden, jenes eilt!“
Leise vor sich hin schimpfend betrat Petra das Selbstbedienungsrestaurant und reihte sich in die Schlange der hungrigen – eiligen Mittagspausierenden ein. Wie so oft hatte sie im letzten Augenblick noch einen ganz dringenden Auftrag bekommen, sodass für die Mittagspause eigentlich gar keine Zeit blieb.
Endlich kam die Reihe an sie. „Eine Gulaschsuppe mit Brötchen bitte!“
Wenigstens das klappte reibungslos. Suchend schaute sich Petra nach einem Sitzplatz um.
Ah-ja, dort hinten sah es doch recht gemütlich aus. Schnell an den Tisch und erst einmal das Tablett und die Tasche abgestellt. Kaum saß die sowieso schon Gestresste, da bemerkte sie, dass der Löffel fehlte.„Das Tablett und die Tasche kannst du einen Augenblick stehen lassen“, dachte sie bei sich. Schließlich war man hier unter zivilisierten Mitteleuropäern, da würde ja wohl niemand die Suppe auslöffeln oder die Tasche entwenden!
Mit diesem Gedanken marschierte Petra noch einmal zurück und kam bald darauf mit einem Löffel bewaffnet an ihren Tisch. Sie staunte nicht schlecht, denn ein männlicher Mensch undefinierbarer Herkunft saß vor ihrer Gulaschsuppe und tauchte gerade seinen Löffel ein. Verblüfft setzte sich Petra erst einmal hin.
„Entschuldigung, das ist meine Suppe!“
Der Angesprochene lächelte freundlich. „Perdone, No entiendo“, sagte er in höflichem Ton, führte seinen Löffel zum Mund und biss anschließend herzhaft in das Brötchen.„Natürlich, ein Ausländer und verstehen tut er auch nichts!“ Petra war entschlossen ihre Mahlzeit zu verteidigen. Sie tauchte ihrerseits den Löffel in die Suppe. Sollte der freche Suppenräuber doch sehen, wo er blieb.
Der runzelte verwirrt die Augenbrauen, löffelte aber weiter, während er höflich etwas fragte, das Petra völlig unverständlich war. Sie ließ sich nicht beirren, sondern brach sich ein Stück Brötchen von der unangebissenen Seite ab.
„Das ist meine Suppe“, betonte sie noch einmal.
Der unverschämte Mensch zuckte die Schultern. Was blieb der hungrigen Petra übrig: Sie teilte ihre Suppe zwangsläufig, wobei sie den Suppendieb mit bösen Blicken aufspießte.
Nachdem die kleine Terrine bis fast auf den Grund geleert war, stand der Mann ruckartig auf und entfernte sich hastig.„Na so etwas“, Petra tastete nach der Tasche, die sie unter dem Tisch abgestellt hatte. Panik überkam sie, denn offensichtlich war die nicht mehr vorhanden. Sie schlug sich vor den Kopf. Natürlich, der dreiste Ausländer war gar nicht auf ihre Suppe aus gewesen. Er hatte es von Anfang an auf ihre Handtasche abgesehen gehabt. Das las man doch immer wieder.„Ich Kamel, da meckere ich wegen des Essens und in der Zwischenzeit haut der Typ mit meiner Tasche ab!“ Petra sprang auf und schaute sich um. Vielleicht würde sie den gemeinen Dieb noch sehen.
Das war nicht der Fall, aber sie sah etwas anderes: Eine Tischreihe weiter stand eine Terrine mit jetzt kalter Gulaschsuppe auf und ihre Handtasche unter dem Tisch …



Hier eine kleine Auswahl:

Was tut der da nur…

Es ist wieder so weit: Die Luft wird von den merkwürdigsten Gerüchen geschwängert! Für uns Menschen riecht es einfach nach Herbst – im besten Fall. Doch ist das in der Tierwelt nicht ganz so simpel.
Dackelrüde Murphy steckt prüfend die Nase in den Wind. Seine Vermutung ist richtig, auch seine Lieblingsblondine, das Retrievermädchen Lori von nebenan duftet verlockend. Da könnte man wirklich schwach werden, zumal auch die Angebetete nicht abgeneigt ist!
Wenn des Dackels Frauchen bloß nicht so aufmerksam wäre…Sie erstickt alle Ausbüxversuche im Keim. Auch Loris Herrchen passt auf wie ein Schießhund
Was bleibt dem liebeskranken Rüden da übrig, als sich mit seinem Lieblingskissen zu trösten. Wenigstens ist das immer parat und zickt nicht herum…
Das geht schon ein paar Tage so. Murphys Mitbewohnerin, Dackelmädchen Emma, schaut ihm interessiert zu.
„Was treibt der Knabe da“, scheint sie zu denken. Mit ihrem einen Lebensjahr kann sie so Recht nichts mit Murphys Aktivitäten anfangen.
Jedenfalls scheint es Spaß zu machen! So ergattert Emma in einem unbemerkten Augenblick das bewusste Kissen und bewegt sich genau so, wie der völlig verblüffte Rüde. Allerdings dauert seine Verblüffung nicht lange. Mit einem Hechtsprung stürzt er sich auf das Kissen und verausgabt sich nun seinerseits an der gegenüberliegenden Ecke. 
Frauchen muss ob dieser Aktivitäten laut lachen, zumal das Dackelmädchen offensichtlich den Rüden nachahmt, allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Nach einiger Zeit gibt es frustriert auf. Was immer dem Rüden einen solchen Spaß macht – für Emma ist das völlig unwitzig.

Bleibt noch nachzutragen, dass Katze Lisa sich das Spektakel aus der Distanz betrachtet hat. Sie saß auf der Kommode im Flur, putze sich und Frauchen hätte schwören können, dass sie sich irgendwann an mit der Pfote an die Stirn tippte. Kein Wunder, denn die Katze ist schon vor langer Zeit kastriert worden…


Kann die Katze bellen???

Die Katze Lisa hat irgendetwas falsch verstanden. Zugegeben, sie ist bereits im Alter von sechs Wochen in den Haushalt gekommen und gleich von den bereits vorhandenen Dackeln als neues Rudelmitglied akzeptiert worden – aber muss sie deshalb gleich meinen, dass sie ein Hund ist?Wie sonst wäre es zu erklären, dass Lisa Frauchen und die Dackel beim täglichen Gassi gehen begleitet? Und nicht nur das, die Katze zwängt sich zwischen die angeleinten Hunde, bleibt stehen wenn diese das Bein heben und schnüffelt genau so interessiert im Gras herum.
An diesem Nachmittag auf der Nonnenbachpromenade kam dem Dreiergespann ein kräftig in die Pedale tretender kleiner Junge auf seinem Drahtesel entgegen. Er schaute kurz auf, stutzte und schien nicht recht zu glauben was er da sah:
Die Katze brav im Gleichschritt zwischen den Hunden. Der Knabe, schon ein Stück weit entfernt, drehte sich komplett auf seinem Fahrrad um, vergaß völlig auf die Fahrtrichtung zu achten und lag prompt auf der Nase.
„Hast du dir weh getan?“, fragte ihn die besorgte Tierhalterin.
Der Knabe hob sein Fahrrad auf, zog die Nase hoch und musterte Mensch und Tiere interessiert.
„Nö, aber sag mal, kann deine Katze auch bellen?“


Wer ist hier der Boss?

Murphy ist nicht gut zufrieden! Bisher ist er der unumstrittene Rudelführer und Wächter des Hauses. Dieses Amt übt der Dackel mit der nötigen Würde und Gewissenhaftigkeit aus. Wer immer sich dem Haus nähert, wird erst einmal verbellt, denn in Herrchens Abwesenheit ist Murphy der stellvertretende Rudelführer.
Nun traf ihn letzthin unvermittelt ein Schock:
Bei den Kindern, oben im Haus, ist ein Neuer eingezogen. „Idefix“ heißt der. Und er ist nicht nur beträchtlich größter als der Dackel, nein - er hat auch wesentlich größere Ohren! Nicht, dass der Typ sich Murphys Job an Land ziehen will! Man kann nicht vorsichtig genug sein. So macht der Dackel aus seinem Herzen keine Mördergrube und giftet den vermeintlichen Konkurrenten bei jeder Gelegenheit an.
Letztens wurden Murphys Menschen damit beauftragt, auf das Großohr aufzupassen, denn die Kinder wollten ins Kino. Idefix zog also kurzfristig samt Körbchen in die elterliche Wohnung.
„Stell das mal in den Flur vor die Treppe, dann ist Idefix oben und Murphy unten. So können sie sich aus dem Weg gehen“, meinte der besorgte Vater, was der Sohn auch tat und sich schnellstens verabschiedete. Indes Idefix, eher von der neugierigen Sorte, dachte gar nicht daran, sich in das Körbchen zu legen. Er schnüffelte in allen Ecken herum und inspizierte aufs Gründlichste die Wohnung.„Verflixt noch mal, jetzt setz dich endlich in dein Körbchen“, herrschte ihn der genervte Hausherr nach einer Weile an.
Der so Gescholtene, schier erschrocken ob des rüden Tonfalls, sprang mit Anlauf in sein Körbchen. Das rutschte samt Hund über die Fliesen und die Treppenstufen hinunter. Bemerkenswerter Weise saß Idefix mit wehenden Ohren weiter aufrecht im Korb, der wie ein Schlitten mit einem Hopser am Fuße der Treppe aufsetzte.
Das zu Tode erschrockene Großohr rührte sich den ganzen Abend nicht mehr von der Stelle und Murphy ließ ihn großmütig zufrieden. Denn wer nicht einmal elegant in sein Körbchen springen kann, der hat einfach nicht das Zeug zum stellvertretenden Rudelführer! Das ist ein für alle Male geklärt!

Kolumne:

veröffentlicht in den "Westfälischen Nachrichten"

Kurzgeschichten

Zu meinem Gedicht 'Buchstabensalat' gibt es einen netten Artikel im Netz:

Der Buchstabensalat in der Kunst

Ob es sein klangvoller Name ist oder ob alleine das bunte Wesen des Buchstabensalates die Kunstschaffenden dieser Welt inspiriert hat, wissen wir natürlich nicht.
Doch besonders unter Sprachjongleuren und Dichterseelen lässt sich der ein oder andere Buchstabensalat in „unangemachter“, also roher Form finden oder ist gar das Topos selbst.

So schrieb Angie Pfeiffer im Jahre 2011 ein Gedicht namens Buchstabensalat, dessen Geschichte dem Wort eine ganz neue Wendung gab. So entsteht das Durcheinander nicht durch Zufall oder die Hand eines Rätselmeisters, sondern gar durch Buchstaben selbst, die in beseelter Form ein Eigenleben entwickeln, welches nicht ganz dem friedlichen Miteinander entspricht, welches wir vom harmonischen Sprachfluss erwartet hätten.

In der letzten Strophe heißt es:
Das Ah erschrak,
sprang vor das Beh
und streift das Ceh,
erwischt das Deh!
Das Resultat?
Buchstabensalat!

Für Freunde sprachlicher Spielereien mit einer gehörigen Portion Wortwitz empfohlen
www.wortsuche.de


Buchstabensalat

Es war einmal ein Ypsilon,
das konnt‘ vor Kummer weinen,
denn seine Liebe ganz und gar
gehörte nur dem Einen.
Dem unvergleichlich schönen Beh,
so rund und wohlgestaltet.
Dem Ypsilon tat’s Herze weh,
sein Kummer still verhallte.

Das Ix sprach: „Schau mal neben dich,
ich warte schon so lange!
Mir ist heut‘ richtig kuschelig
schmieg dich an meine Wange.“
Doch mochte sich das Ypsilon
für’s Ix nicht recht erwärmen.
Es schob den Nachbarn schnöd‘ davon,
um dann vom Beh zu schwärmen.

Das Ganze wurd‘ dem Zett zu dumm,
es schubst das Ah sehr heftig
und rief: „Was stehst du hier herum?
Hau‘ doch das Beh mal kräftig!“
Das Ah erschrak,
sprang vor das Beh,
und streift das Ceh,
erwischt das Deh!


Das Resultat?
Buchstabensalat!

Dies ist eine meiner Lieblingsgeschichte:


Wovon träumst du?

In den schottischen Highlands war einmal ein Fels, größer als seine Brüder, doch gehörte er zu ihnen. Gemeinsam trotzten sie dem tobenden Sturm, dem peitschenden Regen und auch der klirrende Frost konnte ihnen nichts anhaben.
Eines Tages trug der freundliche Westwind ein Samenkorn zu ihnen. Es fiel in eine kleine Spalte des großen Felsbrockens. und es wuchs eine Pflanze daraus. Klein zunächst und kümmerlich, denn der Fels wollte sie nicht nähren.
„Was tust du hier“, grollte er.
„Oh, ich wachse und du hilfst mir dabei“, wisperte die Pflanze.
„Ich kann dir nicht helfen, denn ich bin ein harter Fels. Geh lieber weg.“
„Aber du bist stark, gibst mir Schutz und Nahrung, wenn du nur willst. Ich will bei dir bleiben“, antwortete die Pflanze und schmiegte sich haltsuchend an.
Darauf wusste der Fels keine Antwort, denn noch nie hatte ihn jemand um so etwas gebeten. So duldete er die Pflanze. Sie wuchs heran, bekam die ersten Knospen, blühte auf. Der Fels bot ihr Schutz, nährte sie.

„Es ist schön hier bei dir“, flüsterte sie eines Tages.
„Ich bin rau und schroff, niemand findet mich schön“, war die Antwort des Felsens, doch insgeheim freute er sich über die Pflanze, schmückte sie ihn doch mit ihren Blüten, machte ihn durch ihre Aufmerksamkeit einmalig.

„Wovon träumst du“, fragte sie ihn einmal.
„Ich weiß nicht“, antwortete er. „Wovon träumst du?“
Die Pflanze lächelte ihn an. „Irgendwann werden wir beide Staub sein und mit dem Wind überall hin fliegen können.“
Da begann er sie zu lieben.


“Diese Geschichte kenne ich nicht”, sagst du.
Ich muss lächeln. “Doch, denn es ist unsere.”