This ist Angie

Ruhrpott Pärchen

Leseprobe:


1974

„Hübsch siehst du aus, Spatz. Pass mal gut auf dich auf“, Kalle sah seine Tochter bewundernd an, die sich einmal um die eigene Achse drehte.„Möchtest du nicht mitkommen und alle Jungen, die sich für mich interessieren verscheuchen? So wie früher“, fragte Elisa grinsend.
Ihr Vater hatte, als sie ins mannbare Alter kam, wie eine Glucke über sie gewacht und so manchen Bewerber in die Flucht geschlagen.
Kalle überging diese Bemerkung. „Darf ich ihnen in die Stola helfen, schöne Frau?“ Galant legte er seiner Tochter das selbstgehäkelte Teil um die Schultern.

„Soll ich dich nachher nicht lieber abholen? Wir haben doch jetzt ein Telefon. Du kannst mich zu jeder Zeit anrufen, ich bin unter Garantie wach“, fragte der besorgte Vater, als er seine Tochter vor der Kirche absetzte, wo sich die Hochzeitsgesellschaft bereits versammelte.
Wieder musste Elisa grinsen. „Das fehlt mir noch. Danke, Papa, es ist wirklich nett von dir, aber ich nehme mir einfach ein Taxi oder ich lasse mich von einem der schnuckeligen jungen Männer, die ohne Zweifel an meinem Tisch Schlange stehen werden, nach Hause fahren“, fügte sie nach einem boshaften Blick auf ihren Vater hinzu.
Der reagierte prompt. „Ich versohle dir gleich den Hintern, du freche Kröte! Mach mir die Jungen nicht verrückt.“ Mit einem Winken machte sich Kalle auf den Heimweg, während sich seine Tochter zu den Hochzeitsgästen gesellte.„Hallo, Rosemarie“, begrüßte sie Anneroses ältere Schwester.
„Hi Elisa. Schönes Kleid, das du da anhast. Rot steht dir, aber diese Stola ... Da fällt mir ein, das ist Klaus, meinen Mann.“
„Du eine Ehefrau?“, fragte Elisa erstaunt. Die Spitze überhörte sie geflissentlich. „Das ist mir ganz neu. Herzlichen Glückwunsch nachträglich.“
Von der Hochzeit ihrer Schwester hatte Annerose nichts erzählt. Gut, die Schwestern verstanden sich nicht so besonders, trotzdem hätte sie das Ereignis wenigstens erwähnen können.
Rosemarie zuckte mit den Schultern. „Meine kleine Schwester ist manchmal etwas komisch“, mit einem ironischen Grinsen fuhr sie fort. „Aber jetzt lasst uns in die Kirche gehen, um dem großen Ereignis beiwohnen.“
Irritiert von dem Kommentar schaute Elisa sie an, folgte dem Paar aber in die Kirche, wo die Hochzeitsgesellschaft zum größten Teil schon Platz genommen hatte. Zu den feierlichen Klängen der Orgel betrat das Brautpaar die Kirche. Elisa hielt die Luft an, denn Anne war eine wunderschöne Braut. Sie strahlte so viel Liebe und Lebensfreude aus, dass sie alle Blicke auf sich zog und man den schlecht frisierten Mario, der sich zu allem Überfluss nicht einmal rasiert hatte, völlig übersah.
Während der Trauung folgte Elisa mechanisch der Gottesdienstordnung und träumte ansonsten vor sich hin. Wie hübsch Anne doch aussah. Elisa wünschte ihr alles Glück der Welt. Insgeheim sehnte sie sich nach ihrem Traumprinzen, aber der wollte sich so gar nicht einstellen.
Die Messe ging erstaunlich schnell vorbei. Man begab sich zum Mittagessen in eine nahe gelegene Gaststätte. Hier hatte Elisa endlich Gelegenheit ihre Freundin einen Moment in den Arm zu nehmen und ein paar Worte allein mit ihr zu wechseln.
„Ich hoffe du bist glücklich, meine Kleine. Du bist die allerschönste Braut der Welt. Mario hat ein sagenhaftes Glück. Du bist viel zu gut für ihn.
“Annerose strahlte. „Hör auf, Mario ist in Ordnung und der Richtige für mich. Ich liebe ihn und er betet mich an. Aber sag mal, du bist doch immer noch solo, nicht wahr?“
Elisa runzelte die Augenbrauen. „Ja sicher, das weißt du doch. Ich habe keinen festen Freund und ich möchte auch zurzeit keinen.“
Die Braut lächelte geheimnisvoll. „Na, dann lass dich überraschen.“
Bevor Elisa sie nach dem Sinn ihres mysteriösen Ausspruchs fragen konnte, entschwebte die Braut in einer Wolke von Tüll. Die verwirrte Freundin ging wieder an ihren Tisch, an dem auch Rosemarie und Klaus saßen. Jetzt allerdings hatte sich ein verspäteter Gast zu ihnen gesellt, der auf Elisas Platz saß und ihr den Rücken zuwandte.„Entschuldigung, das ist eigentlich mein …“, sie verstummte abrupt, denn der Mann hatte sich zu ihr umgedreht und feixte über das ganze Gesicht.„Hallo, Perle.“
Elisa stand wie vom Donner gerührt. „Alfred Gimpel! Was machst du denn hier?“
Der Angesprochene schaute sie belustigt an. „Rate mal. Was könnte ich hier wohl machen? Vielleicht die Hochzeit meines besten Freundes feiern?“
Elisa konnte es nicht glauben. Anne, dieses kleine, intrigante Biest, hatte mit keinem Wort erwähnt, dass auch Alfred an der Hochzeit teilnehmen würde. Obwohl - auf den Gedanken hätte sie auch von allein kommen können, denn schließlich war er wirklich der beste Freund des Bräutigams. Nach der ersten Schocksekunde freute Elisa sich ihren Exfreund nach so langer Zeit wiederzusehen.
Sie strahlte ihn an. „Wie geht es dir? Warum kommst du so spät? Du bist zurzeit beim Bund, nicht wahr? Wo bist du denn stationiert? Bist du schon befördert worden? Hast du eigentlich eine Freundin?“
„Stopp“, rief Alfred lachend. „Eins nach dem anderen. Dass ich beim Bund bin weißt du. Ich habe mich für zwei Jahre verpflichtet, bin Gefreiter und in Norddeutschland stationiert. Deshalb komme ich auch später, bei der Bundeswehr kann man halt nicht immer wie man möchte. Ich hatte bis vor kurzem eine Freundin, mit der ich aber Schluss gemacht habe. Das erzähle ich dir vielleicht mal, wenn wir allein sind.“ Hier musste Alfred erst einmal Luft holen, denn das war eine ungewohnt lange Rede für ihn, der eher von der schweigsamen Art war. „So, jetzt bist du dran“, fügte er nach einer kurzen Pause an. „Wie geht es dir so in Berlin?“
„Gut“, Elisa kam nicht dazu mehr zum Erzählen, denn Rosemarie, die den Neuankömmling neugierig gemustert hatte, mischte sich ein. „Hey, ihr zwei, die Köpfe könnt ihr später noch zusammenstecken. Jetzt wollen wir der Rede des Brautvaters lauschen und dann darf getanzt werden. Alfred, der erste Tanz ist ja wohl für mich, oder.“
Wirklich hatte sich Anneroses Vater erhoben, um eine Rede zu halten. Elisa lächelte Alfred zu.„Wir sprechen uns noch.“
„Versprochen?“
„Ja, ganz großes Ehrenwort!“

Es wurde eine rundherum schöne Hochzeitsfeier. Wenn sich Rosemarie auch nach Kräften, und sehr zum Missfallen ihres Ehemannes bemühte, Alfreds Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, so hatte er doch nur Augen für seine Exfreundin. Das Brautpaar, welches sich zwischendurch kurz zu ihnen gesellte, wechselte einen bedeutungsvollen Blick, denn die Überraschung war ihnen wirklich gelungen.
Nach Ende der Feier stieg Elisa wie selbstverständlich zu Alfred ins Auto, um sich von ihm nach Hause bringen zu lassen. Vor der Haustür stellte er den Motor ab und nahm sie in den Arm. „Das wollte ich den ganzen Abend schon“, murmelte er und küsste sie zärtlich. Elisa erwiderte seinen Kuss und er fühlte sich einfach schön und vertraut an. Nach einer Weile ließ Alfred sie los. „Wir sehen uns morgen?“, fragte er.„Ja, ich bin noch die ganze Woche hier.“
„Gut, dann hole ich dich morgen Nachmittag ab und wir frischen die alten Erinnerungen wieder auf. Ich freue mich.“


1975

Elisa bereitete sich vor: Heute sollte sie ihren zukünftigen Schwiegereltern vorgestellt werden und war entsprechend aufgeregt. Während sie sich die Haare zu einer modischen Innenrolle föhnte, ließ sie das letzte halbe Jahr noch einmal Revue passieren.

Nach Anneroses Hochzeit hatten sie und Alfred sich öfter getroffen. Er besuchte sie so oft wie möglich in Berlin, und wenn ihr Bruder Peter auch nicht begeistert war, so tolerierte er den neuen Freund doch. Alfred gab sich alle Mühe, um Elisa zu gefallen, war zärtlich, zuvorkommend, ging auf alle ihre Launen ein. Er brachte ihr sogar hin und wieder Blumen mit, was so gar nicht seinem Naturell entsprach. Einmal hatten sich die Neuverliebten in Hamburg getroffen und dort ein tolles Wochenende verbracht, wobei sich auch das frischgebackene Ehepaar einklinkte. Es war wie in alten Zeiten: Annerose und Elisa unterhielten sich über Gott, die Welt und die neuste Schuhmode, während Mario und Alfred sich überlegten, wie sie ihre Autos tunen konnten.„Wenn du in Gelsenkirchen wohnen würdest, dann können wir uns viel öfter sehen, wäre das nicht schön?“ Alfred versuchte ihr mit allen Mitteln den Umzug schmackhaft zu machen und auch Annerose redete diesbezüglich auf die Freundin ein.
Elisa überlegte hin und her. Einerseits fühlte sie sich in Berlin ganz wohl, konnte tun und lassen, was sie wollte, niemand mischte sich ein. Zudem verstand sie sich gut mit ihrem Bruder, die Wohngemeinschaft funktionierte einwandfrei. Andererseits vermisste sie ihren Freundeskreis, besonders die beste Freundin fehlte. Hinzu kam, dass Alfred niemals aus dem Ruhrgebiet weggehen würde, jedenfalls nicht längerfristig. Er hatte sich sehr zu seinem Vorteil verändert, so wie er sich jetzt gab, gefiel er ihr wirklich gut.
Letztendlich gab ihr Bruder den Ausschlag. Peter machte ihr klar, dass er nie vorgehabt hatte für immer in Berlin zu bleiben. Auch er plante, sich über kurz oder lang in der alten Heimat niederzulassen.
Einmal entschlossen fackelte Elisa nicht lange. Eine kleine Mansardenwohnung und ein Bürojob in der Arbeitsvorbereitung einer Maschinenfabrik in Gelsenkirchen waren schnell gefunden. Der Umzug verlief reibungslos. Viel war sowieso nicht einzupacken. Ihr Vater richtete mit Elisa zusammen die neue Wohnung her und sponserte die Kücheneinrichtung.
Kalle war nicht begeistert vom neuen und alten Freund seiner Tochter. „Hätte ich dich nach der Hochzeit mal abgeholt, wie ich es vorhatte. Spatz, ich glaube der Gimpel ist nicht der Richtige für dich. Das habe ich schon gedacht, als er mit den mickerigen Blumen auf dem Geburtstag deiner Mutter aufgetaucht ist.“
Alfred hatte Elisas Mutter ganz zu Anfang ihrer Beziehung zum Geburtstag mit einem ziemlich ramponierten Blumenstrauß aus dem Automaten beglückt. Damit konnte er zwar bei der Mutter punkten, den Vater machte er aber eher misstrauisch.„Aber Papa, er hat sich so verändert.“
Ihr Vater blieb kritisch. „Wirklich verändern wird sich ein Mann niemals, das muss ich schließlich am besten wissen …“
Ein paar Wochen nach ihrem Umzug überraschte Alfred sie mit einem Verlobungsring, den er ihr, ganz der Romantiker, an einer roten Ampel über den Finger streifte. „Wollen wir uns verloben?“, war sein einziger Kommentar, dann wurde die Ampel auch schon grün und er trat das Gaspedal durch. Elisa wusste im ersten Moment nicht was sie sagen sollte. So akzetierte sie den Ring einfach wortlos.
Während ihre Mutter mit Begeisterung reagierte, stieß sie bei ihrem Vater und ihrem Bruder auf eisige Ablehnung.
„Wie kannst du dich mit diesem Gimpel verloben, weiß du überhaupt, was du tust?“
„Die Welt ist voller Männer und du musst unbedingt DEN komischen Vogel anschleppen!“
Diese und ähnliche Kommentare musste sich Elisa in der Folgezeit anhören. Annerose und Mario allerdings fühlten sich ganz als Ehestifter und hätten am liebsten Standing Ovation zu der Verlobung geleistet.

Die Haare waren längst trocken, Elisa fixierte die Innenrolle mit einem ordentlichen Haarspraynebel. Die Frisur sollte schließlich den Antrittsbesuch bei den zukünftigen Schwiegereltern überstehen. Etwas seltsam kam es ihr schon vor, dass Alfred sich so viel Zeit gelassen hatte, ehe er sie seiner Familie vorstellte. Schließlich waren sie beide nun schon eine ganze Weile verlobt. Elisa zuckte mit den Schultern. Er schien seine Gründe dafür zu haben. Strahlend verließ sie das Badezimmer und drehte sich vor Alfred, der nervös auf einer Sofakante hockte, im Kreis. „Na? Was meinst du?“
„Dein Röckchen ist schon ziemlich kurz“, murmelte er.
Elisa stutzte. Sonst hatte er nichts gegen kurze Röcke einzuwenden. Wahrscheinlich machte er sich einfach zu viele Gedanken über das anstehende Treffen und so ignorierte sie seine Bemerkung.

***
„Mein Vater ist blond, meine Mutter hat lange dunkle Haare“, so hatte Alfred seine Eltern beschrieben.
Also stellte sich Elisa ein nettes Pärchen mittleren Alters vor und war jetzt völlig überrascht. Die Frau, die ihr die Tür öffnete entsprach so gar nicht ihren Erwartungen. Käthe Gimpel war groß, grobknochig und hatte strähnige, dunkle Haare, die offensichtlich noch nie von einem Profi in Form gebracht worden waren. Mitten auf dem Kopf steckten ein paar völlig überforderte Kämmchen, die sich abmühten, die Haarpracht irgendwie aus dem Gesicht zu halten. Um die Karikatur zu vervollständigen, trug Alfreds Mutter einen Polyesterpullover und dazu einen rosa Kittel, der den Zwickel ihrer Strumpfhose nur knapp verbarg.„Guten Tag, sie sind wohl Freddys neueste Freundin“, sagte sie und gab Elisa kurz die Hand.„Nein Mama, wir sind verlobt“, korrigierte Alfred sie verlegen.
„Ah-ja, kommen sie herein.“
Elisa betrat zögernd die Wohnung und wurde von der geballten Gimpelpräsenz fast erschlagen. Im Wohnzimmer saß nicht nur Alfreds Vater Gustav sondern auch noch seine Schwestern Lara, Sylvia und Carmen.„Wenigstens haben die Töchter nicht alle einen rosa Kittel an“, dachte Elisa amüsiert. Sie ließ sich ohne Aufforderung in einen Sessel sinken, wobei sie bemerkte, dass Vater Gimpel interessiert ihre Beine musterte. Auch Alfreds Schwestern musterten sie, aber weniger wohl-wollend als der Vater.
Alfred räusperte sich. „Das ist also meine Verlobte.“
Schweigen.
Endlich meldete sich eine der Schwestern, in diesem Fall Sylvia, zu Wort. „Du hast doch letzte Woche gesagt, dass du niemals heiraten willst. Wieso hast du dich dann verlobt?“
Lara, die Älteste führte den Gedanken weiter aus. „Musst du heiraten? Ist deine Freundin schwanger?“
Erleichtert bemerkte Elisa, dass wenigstens die jüngste der Schwestern sich nicht zum Thema äußerte, sondern weiter dümmlich grinste.
Wieder räusperte sich Alfred, aber bevor er etwas sagen konnte, meldete sich seine Verlobte zu Wort „Ich weiß ja nicht, was euch euer Bruder erzählt hat, aber ich bin definitiv nicht schwanger und würde deshalb auch nicht heiraten. Ich liebe Alfred, und das ich für mich der einzige Grund um mit ihm zusammen zu sein. Jetzt sind wir erst einmal verlobt. Über das Heiraten haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“ Diese Erklärung brachte ihr einen dankbaren Blick des völlig überforderten Bruders ein.
Vater Gustav rettete die Situation, indem er seine Frau aufforderte, endlich den „verdammten Kaffee“ zu kochen.
Während Kittel-Käthe in die Küche huschte, erzählte Lara, die älteste Tochter, von ihrer Hochzeit. Sie war mit Roland, einem Bauarbeiter, liiert gewesen, der vor gut zwei Jahren eine Montagetätigkeit in Bayern ausübte.„Was soll ich sagen, der Roland war so spitz, als er von der Montage nach Hause kam, da haben wir’s ohne Pariser gemacht und – rums bums – schon war ich schwanger.“  Hier schaute sie kurz ihren Vater an, der zu ihren Ausführungen düster nickte.
„Wo ich doch immer wollte, dass du eine Tänzerin wirst, und dann so was.“  Diese Bemerkung Gustavs wurde von dem unterdrückten Gekicher der beiden anderen Schwestern begleitet.„Jedenfalls“, fuhr die verhinderte Tänzerin fort, „wollte der Roland sofort mit Papa sprechen und um meine Hand anhalten, aber ich habe ihm das verboten. Ich habe ihm gesagt, dass mein Vater leicht wütend wird. Ich hatte ernsthaft befürchtet, dass Papa ihm an die Kehle geht.“
Gebrummel von Gustav, Gekicher von den Schwestern.„Ich habe mich aber nicht so richtig getraut mit Papa zu reden und wir haben erst einmal das Aufgebot bestellt.“
Hier unterbrach Elisa sie. „Und deine Mutter? Hast du ihr von der Schwangerschaft erzählt?“
Lara verdrehte die Augen. „Wenn ich daran denke, wo mir die Mutti immer wenn ich das Haus verlassen habe hinterher geschrien hat, ich soll bloß aufpassen, damit ich nicht dick werde.“
„Ist ja auch wahr, du blöde Kuh!“ Inzwischen hatte sich Käthe wieder zur übrigen Familie gesellt.
Lara ließ sich nicht beeindrucken und erzählte weiter: „Wir haben also die Hochzeit geplant, bei Rolands Eltern, die wohnen in einem Zechenhaus mit einem großen Garten. Roland dachte wohl, dass ich mit Papa geredet hätte, und wunderte sich, dass mein Vater weiterhin nett zu ihm war.“
Wieder Gebrummel aus Gustavs Ecke, Gekicher vom Sofa.„Am Abend vor der Hochzeit habe ich dann den Stier bei den Hörnern gepackt. Papa, habe ich gesagt, morgen heirate ich und du bist herzlich eingeladen. Zuerst hat mein Vater still dagesessen, dann hat er den Mund aufgemacht, und weil er sowieso schon knallrot angelaufen war, habe ich ihm auch gleich erzählt, dass ich schwanger bin.“
„Und dann“, fragte Elisa fasziniert.„Dann bin ich schnell rausgegangen und habe bei Rolands Eltern übernachtet.“
„Was ich wirklich wissen möchte ist, ob sie an der Hochzeit teilgenommen haben, Herr Gimpel“, sprach Elisa den leidgeprüften Vater an.„Na ja“, brummelte Gustav. „Ich habe auf den Schreck hin eine ganze Flasche Pernod ausgetrunken, fast auf ex. Am nächsten Morgen war ich noch so besoffen, dass ich nicht so richtig mitgekriegt habe, um wessen Hochzeit es sich überhaupt handelt.“
Er wies mit einem Kopfnicken auf seinen Enkelsohn, der ungerührt in einer Ecke des Wohnzimmers saß und mit seinen Legosteinen spielte. „Wenigstens ist der Bengel ganz gut geraten …“
Elisa wusste nicht, ob sie laut lachen, oder sich über diese seltsame Familie wundern sollte. Alfred hätte sie wirklich vorwarnen können, fand sie.
Der Kaffee bewahrte sie davor, einen Kommentar abgeben zu müssen und das war auch besser so.



Roman

Leben und Lieben zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal