This ist Angie

Lucy

Vor einiger Zeit las mir mein Mann die Anzeige einer Tierarztpraxis vor. Hier wurden verzweifelt Katzeneltern gesucht. Scheinbar handelte es sich um ein ziemlich rabiates Tier, denn die Katze hatte ihre Halterin derart gebissen, dass diese das Tier sofort abgegeben hatte. Wir schauten uns das Tier, trotz meiner Bedenken, an und alle Befürchtungen erwiesen sich als völlig unberechtigt. Die Tierärztin führte uns in ihre Wohnung, die über den Praxisräumen lag, und dort fanden wir eine wunderschöne, völlig verschüchterte Katze vor.„Das Tier ist sehr scheu und wagt sich kaum hinter dem Sofa hervor“, erklärte die Tierärztin. „Lucy hat sich wohl nicht mit einer anderen Katze vertragen, die sich auch im Haushalt befand. Die Halterin hat es abgelehnt, Lucy noch einmal in ihre Wohnung zu lassen. Ich habe selber eine Katze und einfach nicht die Zeit, mich intensiv um zwei Tiere zu kümmern.“
Lucy eroberte uns mit einem Blick ihrer goldgefleckten, ausdrucksvollen Augen und mit ihrer irgendwie vornehm, zurückhaltenden Art.
Sie gewöhnte sich relativ schnell an die Dackel, geht ihnen einfach aus dem Weg.  Es ist unheimlich spannend, dem Tier zuzuschauen, wie es die Welt für sich erobert, denn Lucy ist, bis sie zu uns kam, niemals draußen gewesen. So tastet sie sich ganz langsam und vorsichtig vor und läuft bei jedem ungewohnten Geräusch schnell wieder ins Haus. In der letzten Zeit hat sie es sich angewöhnt Blätter, die vom Wind herumgewirbelt werden zu fangen und sie uns stolz zu präsentieren.

Doch so sehr sich unsere Katzen vom Charakter aus unterschieden haben und unterscheiden, eines haben alle drei gemeinsam: Sie schlafen in Alans Bett, wobei Lucy wartet, bis im Schlafzimmer alles im Tiefschlaf liegt und sich dann vorsichtig ans Fußende schleicht. Sie ist eben etwas vornehm und will nicht nerven.

Die Dackelgang und unsere Katze nerven manchmal furchtbar, machen meist mehr Dreck als zwei muntere Knaben und sind immer irgendwie im Weg. Zudem sind alle drei furchtbar unerzogen, scheinbar haben wir mit der Erziehung alles falsch gemacht.

Doch ich möchte unseren Kleintierzoo für kein Geld der Welt abgeben!

Lilly

Lilly war ca. ein Jahr alte, als wir sie aus dem Tierheim zu uns holten. Sie hatte ihren ganz eigenen Charme, sah mit ihrem komschen halben Schnurrbart unter der Nase und den rosa Pfoten unheimlich lustig aus und hatte nur Unsinn im Sinn. Sie passte somit richtig gut zu uns.
Zudem habe habe niemals eine Katze gesehen, die sich derartig schmutzig machte und sich dabei pudelwohl fühlte. Um sich zu putzen setzte sie sich grundsätzlich in ein Beet und wälzte sich nach der gründlichen Säuberung darin. Bei der Nahrungsaufnahme steckte sie meist das ganze Gesicht in den Futtertopf und war hinterher von oben bis unten bekleckert.
Leider war das Zusammenleben mit diesem Samtpfötchen nur kurz. Lilly ist eines Tages einfach verschwunden, wobei wir glauben, dass ihr schreckliches Widerfahren ist. Mein Mann fand ihr verschmutztes und zerrissenes Halsband ein paar Tage nach ihrem Verschwinden. Das Kätzchen ist nie wieder aufgetaucht.
Lilly war (und ist) uns sehr ans Herz gewachsen und wir trauerten lange um sie.

Emma

Meine Emma heißt eigentlich ‚Silke von der Hirschweide‘ – welch ein Name! Wir haben sie kurzerhand ‚Emma‘ getauft.
Ein paar Monate nachdem Jeany verstorben war, bereitete mein Liebster mir eine ganz besondere Überraschung: Er fuhr mit mir eines Nachmittags zu einem Züchter und ich durfte mir dort ein Dackelmädchen aussuchen. Ich wollte ein Tier mit einem eher ausgeglichenen Temperament haben. Emma kuschelte sich sofort in meinen Arm und schlief ein. Dieses liebe und ruhige Tier sollte es unbedingt sein.
Tja – wahrscheinlich hatte der kleine Wildfang den ganzen Tag seine Mutter und die Geschwister genervt und war einfach völlig erschöpft, denn dieses Dackelmädchen ist nicht müde zu kriegen. Sie nervt Murphy, der ihre Attacken mit einer gewissen Würde und Gelassenheit über sich ergehen lässt. Sie stürzt sich im Hechtsprung auf die Katze und nimmt so manche Blessur in Kauf. Sie kaut alles an, was nicht niet- und nagelfest ist und klaut mit Vorliebe Socken und Wäsche, um ihr Lager damit auszupolstern. Sie macht sich in einem unbemerkten Augenblick gerne mal selbstständig.
Sie ist dickköpfig, erziehungsresistent, liebevoll, frech, lustig, unbelehrbar…...und ich habe sie lieb!


Lisa

eines Tages fand Murphy mitten in der Nacht ein krankes, halb verhungertes Kätzchen im Garten. Wir pflegten es gesund und bald gehörte Lisa mit zur Familie. Sie war wie selbstverständlich bei uns eingezogen, verstand sich unheimlich gut mit den Hunden, verschlief die Tage unter (und manchmal auf) unserem Bett und verbrachte die Nächte wer-weiß-wo. Weil sie uns mochte, brachte sie regelmäßig Geschenke von ihren nächtlichen Streifzügen mit, wobei sie die toten Mäuse in der Regel auf der Terrasse ablegte.
Leider ist Lisa mit vier Jahren überfahren worden. Sie hat sich noch in ein Gebüsch geschleppt, ist dort verendet. Wir haben sie im Garten beerdigt.
Auch sie wird immer einen festen  Platz in unseren Herzen haben.

Murphy

Dackel Murphy ist inzwischen 15 Jahre alt und immer noch ein 'Mann in den besten Jahren', wie er findet. Er kam als Welpe von 6 Wochen zu uns.
Dieses Mal hat mein Alan unser neues Familienmitglied ausgesucht. Allerdings ist nicht ganz klar wer hier wen aussuchte, denn Murphy ist sofort auf uns zugestürzt und hat sich intensiv mit unseren Schuhen beschäftigt. Murphy ist vom  freundlichen Welpen zu einem selbstbewussten, lebhaften, aber lieben Rüden herangewachsen, der unsere Kapriolen mit einer gesunden Portion Gelassenheit erträgt.

Jeany

‚Pini vom Modestübchen‘ war damals ein Jahr alt und sehr gut erzogen. Für einen Dackel jedenfalls, denn diese Hunderasse ist ja bekanntlich ein wenig eigen und ziemlich dickköpfig. Es war sofort Liebe auf den ersten Blick. Jeany, wie ich den Hund umtaufte, war von Anfang an mein Hund. Ich hatte als Kind niemals ein eigenes Tier besessen und hätte mir nicht vorgestellt, wie bedingungslos man von seinem Hund angenommen wird. Wie viel Liebe und Trost ein Hund geben kann.
Klar habe ich oft genug vor einer Wiese gestanden und wutschnaubend auf meinen Dackel gewartet, der einem Karnickel auf den Fersen war und es nie gekriegt hat. Oder ich habe Jeany wieder einmal aus einem Güllehaufen gezogen, weil die Dackeldame sich ein neues Parfum zulegen wollte. Auch weigerte sie sich grundsätzlich, bei Regenwetter das Haus zu verlassen und hätte lieber einen Darmverschluss bekommen, als sich auf die nasse Wiese zu setzen – aber das gehört wohl dazu.
Doch dieser kleine Hund hat alle Höhen und Tiefen mit mir erlebt, hat immer gemerkt wenn ich traurig, völlig nieder oder erschöpft war, setzte sich in solchen Situationen zu mir und versuchte mich zu trösten. Wie oft ich aus dem treuen Dackelblick und den anschließenden, abgrundtiefen Seufzer neue Kraft geschöpft habe, kann ich gar nicht sagen.

Ich glaube, dass man ein solches Tier nur einmal im Leben hat.

Jeany hat mich 18 Jahre lang begleitet und als sie nicht mehr leben wollte, habe ich versucht für sie da zu sein. Ich habe die bisher schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen und sie bis zum Ende im Arm gehabt, gestreichelt und getröstet.

Sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben...

Wie alles anfing:

Meine Jungens wollten immer ein Pferd haben.

„Na ja“, dachte ich, „fangen wir erst einmal klein an!“, und kaufte einen Wellensittich. ‚Kiki‘ hieß das Flattertier und da man die Jugend ja schon frühzeitig zur Tierliebe erziehen soll, kam der Vogelkäfig ins Kinderzimmer. Die Knaben waren begeistert, der Vogel eher weniger, denn er zeigte bald Anzeichen einer Persönlichkeitsspaltung. Zuweilen war er wirklich handzahm und ich konnte ihn vorsichtig streicheln. Dann wieder hackte er bei der kleinsten Annäherung um sich.
Als ich einmal überraschend das Kinderzimmer betrat, verstand ich dieses seltsame Verhalten. Der jüngste Sohn, damals noch im Kindergartenalter, hatte das Tier in seine Martinslaterne gestopft und trug ihn laut singend durch das Zimmer, während der Vogel verzweifelt versuchte, aus dem schaukelnden Gefängnis zu entkommen.„Na wenigstens hat der die Laterne nicht auch noch angesteckt“, das war mein erster Gedanke. Ich redete dem Knaben eindringlich ins Gewissen, was wenig Wirkung zeigte, denn ein paar Tage später erwischte ich den kleinen Tierquäler wieder. Dieses Mal hatte er den Vogel am Schwanz gepackt und schwenkte ihn lustig lachend hin und her, während der völlig verzweifelte Kiki versuchte, dem Knaben in die Hand zu kneifen.
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht an mich halten konnte und dem Knaben eine Ohrfeige verpasste. Der heulte auch gleich los, ließ aber wenigstens den seekranken Vogel fallen.
Also kam der Vogelkäfig samt Inhalt in die Küche und die Jungen verloren schlagartig jedes Interesse.
Bleibt nur noch zu bemerken, dass der bedauernswerte Wellensittich ein gutes halbes Jahr später unserem Dackel zu nahe gekam und auf tragische Weise verstarb.
Dieses Projekt war gescheitert, aber ich gab nicht auf.
Was gibt es schöneres für ein Kind, als einen treuen Gefährten an seiner Seite zu haben, einen Freund, der mit ihm durch dick und dünn geht! Was lag also näher, als einen Hund anzuschaffen. Zufällig ergab es sich, dass eine Bekannte ihren Dackel abgeben wollte …

…  und so bin ich zu meiner Jeany gekommen.