This ist Angie

Prunseline & Karli

Leseprobe


Prunseline wacht auf

Plötzlich wachte Prunseline aus dem Winterschlaf auf. Sie hatte vom Frühling geträumt. Warme Sonnenstrahlen hatten sie im Traum gestreichelt. Der Duft von frischen Kräutern und bunten Blumen hatte die Luft erfüllt. Oh, wie sich Prunseline nach dem Frühling sehnte! Vorsichtig öffnete sie die Augen. Dicht neben ihr lag Karli, ihr bester Freund.
„Was meinst du, ist der Winter endlich vorbei?“, fragte Prunseline und stupste Karli vorsichtig an.
Der öffnete ganz verschlafen ein Auge und gähnte. „Lass mich schlafen, ich bin noch sooo müde“, murmelte er.
Obwohl Karli gleich weiterschnarchte, hob Prunseline den Kopf und schnüffelte. Irgendetwas war anders als sonst. Es roch so gut. Wie in ihrem Traum! Sogar noch ein bisschen besser. Vor allem war es nicht mehr so schrecklich kalt und auch heller als sonst.
„Genau so stelle ich mir das Aufwachen nach dem langen Winterschlaf vor“, sagte Prunseline und stupste Karli wieder an, dieses Mal etwas energischer. „Schau mal, Karli, du Langschläfer. Die Sonne ist heute besonders hell“, rief sie ganz aufgeregt. Tatsächlich schien warmes Sonnenlicht in den Eingang der Höhle hinein. So, als wolle es die beiden Mäuschen wachkitzeln.
Endlich blinzelte auch Karli. „Ist das bestimmt kein Traum?“, fragte er unsicher.
„Sag bloß, du hast auch vom Frühling geträumt?“, staunte Prunseline.
„Du auch?“
„Ja, ich auch!“, piepste Prunseline fröhlich. „Los jetzt, lass uns hinausgehen in die Sonne.“
Das ließ sich Karli nicht zweimal sagen. Schnell krabbelten er und Prunseline aus ihrer Höhle die in einer verschwiegenen Ecke des Gartens lag.Die beiden Mäuschen streckten ihre Nasen in die Sonne und schauten sich verwundert um. Wie schön es heute im Garten war! Wo ihnen vor ein paar Tagen noch alles grau und trostlos erschienen war, steckten bunte Frühlingsblumen ihre Köpfe der Sonne entgegen. Auch die ersten Kräuter reckten und streckten ihre grünen Blätter.
Eine kleine Blüte pflückte Karli ab und gab sie Prunseline. „Hier ist ein ganz besonderer Frühlingsgruß von mir“, murmelte er ein bisschen verschämt.
„Danke, mein lieber Karli!“ Prunseline nahm die Blüte und steckte sie sich in ihren Zopf, der wie eine kleine Antenne mitten auf dem Kopf nach oben stand. „Aber jetzt lass uns den Garten erkunden. Mal sehen, ob sich etwas verändert hat.“
Begeistert schnüffelten die beiden im Garten herum und sahen sich alles ganz genau an. Nein, nichts hatte sich während ihres Winterschlafs verändert. In einer Ecke ganz hinten, hinter dem Gartenhaus, raschelten alte Blätter unter Prunseline und Karlis Mausefüßen. Wie sie knisterten und knackten! Es macht großen Spaß hindurchzulaufen. Dazu schien ihnen die Sonne warm auf den Rücken. „
Hör mal, das Knistern hört sich ein bisschen an wie Musik“, rief Prunseline begeistert aus. „Lass uns tanzen!“
Sie nahm Karlis Vorderpfoten und versuchte sich zusammen mit ihm im Kreis zu drehen. Aber Karli befreite sich aus ihrem Griff. „Hör auf damit, Prunseline. Ich kann nicht tanzen.“
„Stell dich nicht so an. Ich kann auch nicht tanzen. Lass es uns einfach versuchen!“ Wieder fasste Prunseline die Pfoten ihres Freundes. Wiederwillig ließ sich Karli im Kreis drehen. Schließlich machte er sich energisch los. „Das ist nichts für mich. Lass das sein. Nachher lacht noch jemand über mich, weil ich kein guter Tänzer bin. Oder ich trete dir aus Versehen auf die Füße.“„
Oller Spielverderber“, grummelte Prunseline. Doch ehe sie noch etwas sagen konnte, regnete es Körner. „Huch, was ist denn jetzt los?“, rief Prunseline erstaunt aus, denn diese Körner waren die Leibspeise von ihr und Karli.
Erstaunt schauten die beiden Mäuse nach oben. Über ihnen hing ein komisches kleines Häuschen, auf dessen Rand ein paar Meisen saßen. Sie pickten emsig nach dem Futter, das in dem Vogelhaus war. Dabei fielen ihnen immer wieder einige der leckeren Körner hinunter, so dass es den beiden Mäusen vorkam, wie ein Körnerregen.
„Das ist aber nett von euch“, rief Prunseline zu den Meisen hinauf, während Karli schon emsig Körner futterte. Aber die Meisen waren so beschäftigt, dass sie gar nicht auf Prunseline und Karli achteten. Also kümmerte sich Prunseline auch nicht mehr um sie, sondern aß tüchtig von den köstlichen Körnern.
Schließlich hatten sie alles aufgegessen. Prunseline und Karli waren picke-packe satt.
„Boh“, stöhnte Karli. „Ich kann nicht mehr. Jetzt muss ich mich erst einmal hinlegen und schlafen. Das Essen war ganz schön anstrengend.“
Prunseline musste lachen. „Na gut. Ich kann auch eine Mütze voll Schlaf gebrauchen. Komm, wir legen uns da vorne unter den Rosenstrauch. Da ist es sicher. Die Katze kann uns dort nicht erwischen, weil die Dornen der Rosen sie stechen, wenn sie es versucht. Wir sind klein genug, um ganz unter den Strauch zu krabbeln. Uns können die Dornen nichts anhaben.“
Gesagt getan. Die Mäuschen krabbelte unter den großen Rosenstrauch und kuschelten sich aneinander. Bald schnarchten beide um die Wette.
Bestimmt träumten sie wieder vom Frühling.